„Das paßt großartig!“ rief Kunz. „Es gibt Kartoffelsuppe.“

Die verleugnete nun ihre „Blutsverwandtschaft mit der Wasserleitung“ auch heute nicht. Aber wer achtete darauf? Die Wirte nicht und nicht die Gäste.

Es war die strahlende Kraft dieser Frauenseele, was sie alle emportrug über die Dinge. Sie hatte ihren Platz zwischen dem heiligen Josef und dem Balbutz, und Weltkind wie Prophet sahen zu ihr auf als wie zu unserer lieben Frau. Sie hatte so viel Freude an all diesen braven Jungen. Sie meinte, daß in dieser harten, ernsten und stillen Arbeitsgemeinschaft so etwas wie das Herz Deutschlands schlage. Und leid tat es ihr, daß sie wie die Sträflinge hausten, in dieser lieblosen Kahlheit, dieser Farblosigkeit und dürftigen Enge.

Hier wollten ihre Hände schmücken und beseelen. Wohnlicher sollt Ihr es haben, Ihr armen Verwaisten und Heimatlosen! Diese traurigleeren Fenster, die wie tote Augen starrten — sie hatte Stoff zu Vorhängen, mit denen wollte sie anfangen, das tote Bretterhaus zu beleben.

„Und Blumen sollen Sie jetzt im Frühling haben. Einen kleinen Vorgarten legen wir uns an. Mit Tausendschönchen, Priemeln, Stiefmütterchen. Daß etwas Leuchtendes Sie in Empfang nimmt, wenn Sie von Ihrer schweren Arbeit nach Hause kommen.“

Und all die Blicke der Männer und ihre Herzen erbauten sich an einer Lichtgestalt. Um den feinen zarten Kopf mit diesen tiefen, versunkenen Augen, die aus ihrer Versunkenheit ihre Schätze hoben, stand es wie ein Schein, dieses wunderbar Festliche und Frauliche zugleich — ein Schein, vor dem man andächtig ward.

Herr von Borkhus indessen ließ sich von Horst über die Arbeiterversammlung berichten. „Natürlich, sie wetzen die Messer. Wir sollen das Schleifen hören, und wir hören es. Vielleicht, daß es mehr ist als Drohung. Haben auch die meisten von uns ein gutes Gewissen — manch einer hier im Kreise rutscht doch mit der Hose ganz gehörig auf Grundeis. Hier wird die Rechnung präsentiert werden und — wie die Sache nun einmal liegt — nicht hier allein. Da nun schon — wer hat es gesagt — Frauen, Dummköpfe und politische Bewegungen zu verallgemeinern lieben.“

„Den Organisierten wird ja auch nichts anderes übrig bleiben“, bemerkte Horst.

Die müden Züge des Herrn von Borkhus — sie erschienen Horst noch nie so schmerzlich abgespannt — erhellte jetzt die junge gläubige Phantastik seiner Augen. „Ich weiß, auch von meinen Leuten hat der größere Teil sich eingeschrieben. Überzeugungen glauben nun einmal erst dann an sich selber, wenn sie abgestempelt sind. Jeder muß nun mal seinen Schein haben — wie könnte er sonst auf ihm bestehen! Aber, wenn es ernst wird, dann sind solche Scheine Papier. Der Herzschlag ist dann der Ton, der die Musik macht. Und — ich kenne meine Leute, so gut wie sie mich kennen!“

Er warf den Kopf zurück, nun ganz ein froher, sieghafter Führer. Sein Gesicht belebte sich frisch, dunkler und heißer leuchteten die Augen. Hier frohlockte eine Zuversicht, die aus der Tiefe seines Wesens quoll, aus der glückhaft frohen Treue seines eigenen Fühlens.