Einsam auch, ein Schwebender, zog Gisbert durch die Frühlingsheiligkeit. Gen Osten pilgerte er — da lag Mönkhov. Die Rhythmen der schönen, tönenden See begleiteten seine Schritte. In den Dünen machte er Rast, auf dem höchsten Gipfel schlug er seinen Thron auf, den Thron seiner Sehnsucht.
Unverwandt schauten seine Blicke nach Osten. Ganz unkörperlich seine Sehnsucht, nicht einmal das Bild der Ersehnten nahm Gestalt an. Jenseits von der Form blieb alles. Ein Lichtnebel die Welt, ein webender Glanz. Und in ihm atmete das Glück.
Daß Du lebst! Und daß ich weiß von Deinem Leben! Was will ich mehr? Was brauche ich mehr? Ich fühle Deine Nähe, durchleuchtet bin ich von der seligen Sicherheit meiner Habe. Wer kann mir von ihr etwas rauben? Wie reich bin ich und wie stark!
Du bist die Geliebte meiner Seele. Nicht treibt es mich, mit den Blicken Dich zu fassen, das Auge in Dein Auge zu legen, mit Deiner Stimme mein Ohr zu füllen, Deine Finger mit der Hand zu umspannen. Nur wissen will ich Dich, nur wissen, daß Du bist, nur das Glück fühlen, daß Du lebst!
Rühren Worte an die Herrlichkeit dieses Besitzes? Nicht einmal Gedanken. Über allem Sagen und Fragen, wortlos, gedankenlos ein sinnenfreies Schwimmen im Himmelsraum, ein Ertrinken in Licht —
So saß Gisbert in starrer Entrücktheit ein göttlich Entschlafener auf der Dünenhöhe, dieweil über die Meerflut hin der junge Frühling schauerte.
Erst die flüsternde Dämmerung weckte ihn aus seinem seligen Schlaf. Und nun schlich es doch von Frühlingsangst in seine Jugend, seine junge Jugend. Was fing so an zu singen in seinem Blut — leise, leise und sang doch immerfort.
Und ein Taumeln, da er sich erhoben hatte, ward sein Schreiten, das nach Osten ging — wo er doch westwärts wollte, nach seiner Arbeitsstatt, der Baracke. Wie er sich umwandte, keuchte er, beladen auch er von der Süße und Schwere des Frühlings.
Die Arbeit! Die Arbeit auch seine Zuflucht. Ihr mußte alles zum besten dienen, alles Fühlen, alle Andacht, aller Kult, auch von Frühling und Frau — alles mußte einmünden und aufgehen in den Gottesdienst der deutschen Arbeit.