»Mit was ist Ihnen gedient, Mister Lawrence?« fragte er, indem er mit seiner Waffe nach der Wand wies, wo auf einem langen Papierstreifen in roten Buchstaben der Zauberspruch »Time is money!«[2] prangte. Über der Inschrift waren zwei sich kunstreich kreuzende Revolver angebracht, der einzige Schmuck an den im übrigen kahlen Wänden. Man hatte den Eindruck, daß man sich hier nicht am richtigen Ort für ein gemütliches Plauderstündchen befand.
»Ich wünsche, Ihnen diesen Gentleman vorzustellen,« sagte Lawrence eifrig: »Mister Eyth, Mister Rawley; Mister Rawley, Mister Eyth, – mit dessen Ankunft eine neue Zeit für unsern unglücklichen Süden beginnen wird. Mister Eyth ist der Vertreter der größten und berühmtesten englischen Fabrik für Dampfkulturgeräte: Dampfpflüge, Dampfkultivatoren, Dampfeggen, Dampfwalzen, Dampfsäemaschinen, Dampfzuckerrohrschneider und Dampfbaumwollpicker. Sie machen doch auch Dampferntemaschinen jeder Art, Herr Eyth? – versteht sich – natürlich!« – wandte er sich an mich im Ton unerschütterlichen Glaubens an seine Inspiration. »Kurzum, Mister Rawley, die Negerfrage existiert nicht mehr, wenn wir Herrn Eyth in Louisiana aufnehmen, wie er es verdient.«
Rawley brummte mürrisch: »Hm! sehr angenehm! Immer noch lieber von England als von jenseits des Potomaks. – Sehr angenehm, Mister Eyth. Ich nehme an, daß Ihr Dampfpflug uns besser hilft, als Ihre Landsleute es getan haben. Ah so – Sie sind kein Engländer; um so besser! – Wie gefällt Ihnen unser schönes Land in seinem jetzigen, jammervollen Zustand? Nicht übel – wie?«
»Longstreet, der General, hat die Agentur für die Sache übernommen«, fiel Lawrence ein.
»Der General Longstreet, die rechte Hand von Lee? Das ist etwas andres! Warum haben Sie das nicht gleich gesagt?« fragte Rawley, während sich seine Räuberhauptmannszüge in etwas menschlichere Falten legten. »Wir werden Sie mit Interesse beobachten, Mister Eyth! Wann soll es losgehen?«
»Was meinen Sie, Herr Rawley?« fragte ich, etwas Mut schöpfend.
»Die Rettung des Südens, das Gepflüge«, versetzte der Redakteur. »Sie geben doch ein Frühstück, um die Sache einzuleiten? Wir werden einen Berichterstatter hinschicken, wenn ich nicht selbst kommen kann. Sie wünschen ohne Zweifel eine redaktionelle Notiz schon vor dem Frühstück? Natürlich! Wollen Sie die Gefälligkeit haben, mir einige Anhaltspunkte zu geben. Wie alt sind Sie? verheiratet? glücklich verheiratet? Wo wurden Sie erzogen? Bitte, teilen Sie mir alles mit, was zur Sache gehört. General Longstreet ist mein Freund, ein Mann, den ich hoch verehre. Nehmen wir einen Tropfen Rum – echten Jamaika – wie, Herr Lawrence?«
Sie winkten sich, verständnisinnig. Eine geschäftige Freundlichkeit durchbrach endlich die rauhe Schale des Räuberhauptmanns. Es gelang mir zwar nicht, seine Aufmerksamkeit von meinem curriculum vitae auf die Vorzüge des Fowlerschen Doppelmaschinensystems zu übertragen. Auch Lawrence half mit, meinem Jugendleben und meinen persönlichen Wünschen und Hoffnungen auf den Grund zu kommen, und fügte, gegen Rawley gewendet, von Zeit zu Zeit die Versicherung bei, daß ich von Kindesbeinen an ein wirklicher Gentleman und ein unzweifelhafter Demokrat – im amerikanischen Sinne des Wortes – gewesen sei. In der Sklavenfrage halte ich noch jetzt »mit Zähnen und Klauen« an den geheiligten Gesetzen unsrer Vorfahren fest. Dies brachte mir jedesmal einen stummen, schmerzhaften Händedruck des Redakteurs ein, der seinerzeit selbst fünf Neger besessen hatte. Dazwischen wurde festgesetzt, daß Longstreet ein großes Frühstück geben müsse, zu dem die gesamte zu rettende Gesellschaft Louisianas sowie die Vertreter der Presse, in erster Linie aber des Picayune, einzuladen seien. Daran werde sich das Pflügen in würdiger Weise anschließen. Bezahlen werde ich es ja mit Vergnügen; eine solche Einführung des englischen Dampfpflugs sei etwas mehr wert, sollte man denken, als ein paar Dutzend Hummern und das erforderliche Zubehör. Ich selbst mußte dies zugeben und bekämpfte mannhaft eine vorübergehende Trübung meiner Stimmung. »Noch einen Tropfen Rum, Herr Eyth!« rief der finstere Redakteur, indem er nach der steinernen Flasche griff, die neben seinem Tintenfaß stand. »Nein? Das müssen Sie noch besser lernen, wenn Sie uns retten wollen. Das oder Temperenzler werden. Dazwischen liegt nichts. Adieu! Schicken Sie mir, was Sie gedruckt haben wollen, schon vor dem Frühstück!«