Auch auf dem Deck des »Wilden Westen« war schon alles in Bewegung. Mein zweiter Kessel schwebte an einem kräftigen Schiffskranen hoch in der Luft, machte eine elegante Schwenkung über Bord, als sei ihm das Fliegen zeitlebens eine liebe Gewohnheit gewesen, und sank in der nächsten Minute auf die krachende Levee nieder. In zehn Minuten hatte ich sechs Neger, Jem, Jo, Jack, Kato, Alexander und Bucephalus, in meine Dienste genommen. Neugierig und energisch machten sie sich daran, die Deckel der Kisten aufzureißen, die ich den Monteuren bezeichnete, und die blanken Stangen und Wellen, die schweren Lager und Ständer aus den Spänen herauszuschälen, welche sich in gewaltigen Haufen um uns auftürmten. Vor der Frühstücksstunde noch war mein Trüpplein im besten Zuge; mir selbst begann es ganz leicht ums Herz zu werden. Dazu kam noch »Lawrences Bruder«, der schon in der Ferne eine Zeitung in der Luft schwenkte, als er den »Wilden Westen« und mich entdeckt hatte.

»Sie haben verloren, Mister Eyth, Sie haben verloren!« rief er aus weiter Ferne. »Geben Sie mir zehn Dollar und hören Sie zu!«

Er kletterte auf eine der Kisten, setzte sich, entfaltete die nasse Morgenzeitung und las:

»›Die berühmte und stets auf das Wohl unsres Staates bedachte Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana hat sich entschlossen, den beträchtlichen Preis von siebenhundertundfünfzig Dollar für den besten Dampfpflug zur Bearbeitung von Baumwoll- und Zuckerland auszusetzen. Man hofft mit Recht, auf diese Weise der unglaublichen Not des Südens, dem Mangel an Arbeitskräften jeder Art, für alle Zeiten abhelfen zu können. Wie wir hören, soll sich bereits ein Bewerber für diesen ansehnlichen Preis eingestellt und am Fuß der Tschapatulastraße seine Vorbereitungen begonnen haben. Ehre einer Gesellschaft, die auch in den schwersten Zeiten Mut und Tatkraft bewahrt, an dem Wiederaufbau und der Wohlfahrt unsres glorreichen Südens weiterarbeiten zu können!‹ – Wie gefällt Ihnen das? Sie brauchen die andern Zeitungen nicht nachzusehen. Sie bringen alle denselben packenden Artikel, den ich und unser Geschäftsführer noch gestern nacht ausgebrütet haben. Er wollte zuerst nicht recht dran; die Komiteesitzung kann erst übermorgen stattfinden, und so ist eigentlich noch nichts beschlossen. Merken Sie allmählich, daß Sie in Amerika sind?«

»Merken Sie, daß Sie auf einer englischen Maschine sitzen?« antwortete ich vergnügt, indem ich gleichzeitig Bucephalus anwies, meinem Freund eine Brechstange zwischen die Beine zu stoßen, denn er saß auf der Kiste, die ich vor allen andern geöffnet haben wollte. Bucephalus war energisch, aber etwas ungeschickt. Lawrence sprang deshalb mit jugendlicher Behendigkeit in die Höhe, um dem gefährlichen Stoß zu entgehen.

»Und sehen Sie, da kommen Sie selbst!« rief er aus der Zeitung heraus, seinen Knotenstock schwingend, ohne jedoch den Zwischenfall eines weiteren Wortes zu würdigen.

»Frühstück, Frühstück!« schrieen die Neger, während ein halbes Dutzend Glocken und hundert heulende Dampfpfeifen entlang der ganzen Levee einen infernalischen Lärm erhoben. Ein paar Stunden nüchterner Morgenbeschäftigung mit dreiundfünfzig Kisten eines demontierten Dampfpflugs verfehlen ihre appetiterregende Wirkung auch in einem halbtropischen Lande nicht. Ich war deshalb mit den Negern völlig einverstanden und bat Lawrence, mir Gesellschaft zu leisten. Er kannte eine Wirtschaft in unmittelbarer Nähe, wo wir unter Schiffskapitänen, Baumwollmaklern und Zuckerbörsenleuten rasch ein Tischchen und ein »elegantes« Frühstück fanden. Als Beilage las er mir eifrig die Morgenzeitungen vor, deren Inhalt, soweit er unsre Sache betraf, ihn sichtlich mit dem erhebenden Gefühl der Vaterschaft beglückte.

Der »Picayune« erzählte in Sperrdruck:

»Wir hatten gestern das Vergnügen, den Besuch des Herrn Eyth, des gentlemännlichen Vertreters der großen englischen Firma John Fowler & Co. von Leeds und London, zu erhalten, der uns von dem Bruder unsres großen Zuckerplantagenbesitzers, Herrn Henry Lawrence, freundlich zugeführt wurde. Herr Eyth beabsichtigt, durch die Einführung der weltberühmten Dampfpflüge seiner Firma, die alles bisher Dagewesene übertreffen sollen, an der Regeneration des Südens mitzuwirken, und wird damit voraussichtlich in wenigen Tagen im Ausstellungspark der Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana den Anfang machen. General Longstreet und die hervorragendsten Männer unsres Staats nehmen den lebhaftesten Anteil an seiner Tätigkeit. Sein Pflug soll stündlich fünf Acker des schwersten Zuckerbodens auf eine Tiefe umbrechen, die nach der Versicherung unsres Freundes, Herrn Lawrence, von sechs Paar Ochsen nicht erreicht wird. In liebenswürdigster Weise teilte uns Herr Eyth mit, daß er ein Deutscher von Geburt und, im Gegensatz zur Mehrzahl seiner übrigens hochachtbaren Landsleute, der Sache der Südstaaten stets aufs wärmste zugetan gewesen sei. Hochinteressant finden wir, daß Herr Eyth aus einer alten Schweizer Fürstenfamilie abstammt und daß er in einem mittelalterlichen Männerkloster seines Vaterlandes das Licht der Welt erblickte. Der letztere Punkt bedarf jedoch noch der Aufklärung. Trotz dieser geheimnisvollen und hochromantischen Vergangenheit scheint Herr Eyth ein lebhaftes Verständnis für die modernen Verhältnisse unsres glorreichen Vaterlandes mit nicht gewöhnlicher Geschäftsenergie zu verbinden. Unsre geschätzten Leserinnen dürfte es jedoch mehr interessieren, zu vernehmen, daß Herr Eyth durch keine zarten Bande an den alten Kontinent geknüpft ist und nicht unweigerlich an den klösterlichen Grundsätzen seiner Jugend festzuhalten gedenkt. Wir wünschen ihm in dieser und jeder andern Beziehung einen erfolgreichen Aufenthalt in den wieder auflebenden Golfstaaten.«