»Das ist gut, das ist sehr gut für einen Anfang!« meinte Lawrence. »Sie werden sehen, unsre schönen Kreolinnen werden sich nach Ihnen umsehen; das kann nichts schaden. – Weiter!«
Er griff nach dem »Crescent City News«. Der Anfang des Artikels der republikanischen Zeitung, den er mit raschem Kennerblick gefunden hatte, war nahezu der gleiche. Auch hier war der Vertreter der großen Firma von John Fowler & Co. vor allen Dingen »gentlemanly«, ein Ausdruck südlichen Zeitungsstils, dem kaum jemand entgeht, und den ich oben in der Not mit »gentlemännlich« zu übersetzen suchte. Geboren war ich hier, nach meinen eignen liebenswürdigen Mitteilungen, in den Tiefen des Schwarzwalds und der Rauhen Alb, wo mein Vater, »wenn wir Herrn Eyth, der ein Deutscher ist, richtig verstanden haben, teils dem Holzhandel, teils der schon von Tacitus erwähnten Jagd auf Bären und Wölfe oblag. Schon von Jugend an hatte deshalb Herr Eyth eine fast schwärmerische Zuneigung für das große Amerika, namentlich aber für unsern lebenskräftigen Norden, der in dem soeben glorreich zu Ende geführten Kampf seine Stärke und seinen gesunden Sinn zum Wohle des Ganzen mit blutiger Energie bewährt hat. Die Jugendzeit, verbracht in der finsteren Einsamkeit primitiver Wälder, mag auch die Ursache gewesen sein, daß der übrigens nicht unsympathische Vertreter der englischen Firma, dessen politische Ansichten im Gegensatz zu der in England herrschenden bedauerlichen Stimmung durchaus korrekt zu sein scheinen, sein Geschick noch nicht mit dem Rosenband einer glücklichen Liebe umwunden hat. Eigentümlicher ist, daß die englische Firma es für nötig hält, dem erfindungsreichen Amerika, das in nichts, somit auch nicht in Dampfpflügen, hinter irgendwelchem Lande zurücksteht – wir machen nur auf die Dampfkulturgeräte in Pennsylvanien, in Ohio, in Illinois und neuerdings auch in Kalifornien aufmerksam –, derartige Apparate uns zusenden zu müssen glaubt. Ihre Nützlichkeit bleibe hierbei unbestritten. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß Herr Eyth, dessen offener Blick uns sofort sympathisch berührte, mannigfach und reichlich belehrt zu seinen englischen Freunden zurückkehren wird, und wünschen ihm hierzu wie in jeder andern Beziehung den besten Erfolg.«
»Ein verfluchter Yankee!« meinte Lawrence, ohne große Aufregung, während ich, etwas grimmiger als er, ein Beefsteak von landesüblicher Zähigkeit zersäbelte. Sämtliche sieben Morgenblätter brachten ähnliche Aufsätze, so daß sich seitdem sieben verschiedene Städte um die Ehre streiten können, meine Wiege beherbergt zu haben. Alle aber waren in einem Punkte einig: daß meinem armen, unschuldigen Dampfpflug eine hervorragende politische Rolle zukomme. Ein unverkennbarer, wenn auch leichter Hang gegen den demokratischen Süden schien von der einen Seite das höchste Lob, von der andern den schärfsten Tadel zu verdienen. Nur mit Rücksicht auf das noch nicht ganz ausgesprochene pekuniäre Verhalten des sympathischen Vertreters der Firma John Fowler & Co. legten sich die kleineren Blätter noch einige Zurückhaltung auf. Das Beefsteak aus Texas war wirklich zu zäh; ich warf Messer und Gabel weg und stand auf.
»Lieber Herr Eyth,« sagte Lawrence, der meine Verstimmung kopfschüttelnd bemerkte, »an das müssen Sie sich gewöhnen, wenn es Ihnen bei uns wohl werden soll. Es tut nicht weh, sobald man's gewöhnt ist. Was Sie zu tun haben, ist, Ihren Pflug auszupacken. Je mehr man über Sie schimpft, um so besser. Man wird auf Sie aufmerksam; das ist alles, was Sie brauchen, und kostet Sie nichts. Übrigens läßt sich die Sache auch sehr leicht in Ihrem Sinn regeln. Ich will Ihnen das besorgen. Wieviel wollen Sie an die ›Crescent City News‹ rücken?«
»Keinen roten Cent!« rief ich grimmig, indem ich unser Frühstück bezahlte.
»Sie sind aufgeregt!« meinte Lawrence begütigend. »Das ist nicht gut. Kühl bleiben ist die erste Regel des Lebens, namentlich im Süden und heutzutage. Wir wären alle besser dran, wenn wir sie vor fünf Jahren mehr beherzigt hätten.«
Ich ging wieder nach den Levees, dem »Wilden Westen« zu. Ein gewaltiger Menschenhaufen umstand jetzt die Ausladestelle des Schiffs. Im Kern des Knäuels schien es lebhaft zuzugehen. Meine sechs Neger hatten sich auf die übereinandergetürmten Kisten geflüchtet und verteidigten ihre günstige Stellung mit rühmlicher Hartnäckigkeit. Zoll- und Leveebeamte waren die Angreifer. Das unparteiische Publikum begrüßte jede Wendung des Wortgefechts mit lauten Lachsalven.
»Herunter von den Kisten!« schrie ein bärtiger Mann, der in Reste einer unbekannten Uniform gekleidet war. »Herunter, verdammte Nigger! Die ganze Bagage muß in dreißig Minuten verschwunden sein. Nichts darf auf den Levees ausgepackt werden. Fort mit dem Zeug!«
Der aufgeregte Herr hatte eine Hilfstruppe von drei Mann in Zivil, die nach den nackten Beinen meiner Neger griffen. Eine Brechstange, welche zufällig auf die Finger eines der Angreifer fiel, veranlaßte die heftige Fortsetzung des bloßen Wortgefechts. Ich drängte mich durch.
»Hier ist unser Herr!« schrieen die Neger triumphierend. »Hurra für Alt-Dixies Land!«