»Sie kommen wegen des Zolls auf Ihren Dampfpflug«, sagte er leise und eifrig. »Ich weiß, ich weiß! Ich las die Nachricht selbst heute früh in den ›Crescent City News‹ und dachte sofort: hier gibt es etwas für mich zu tun. Ohne mich geht das nämlich nicht. Er ist zäh wie ein Hickorystock, wenn er herauszahlen soll« – dabei deutete der Kleine auf die Zimmertür des Großen. – »Eine höchst wichtige Nachricht für Ihr Geschäft. Gratuliere, gratuliere! Die viertausendzweihundert Dollar werden Sie übrigens im Handumdrehen bekommen, wenn ich die Sache in die Hand nehme, und das habe ich zu tun im Sinn, Mister Eyth! Nebenbei – was halten Sie von John Bull? Ich glaube nicht, daß die beiden Elefanten so verschieden sind, als sie aussehen. Sie sehen verschieden aus, höre ich von sachverständiger Seite, aber nicht so verschieden, daß man daraus seine Schlüsse ziehen könnte. Auf die Jockeys wird es wohl ankommen – unter uns –«
»Die Jockeys sind allerdings auch bei wirklichen Elefanten ein wichtiges Element«, sagte ich zustimmend.
»Herr Eyth, ich heiße Smith und habe die Geldanweisungen auszuschreiben. Es wird mir das größte Vergnügen machen, Ihnen gefällig zu sein. Ich weiß, die Engländer lieben einen prompten Geschäftsgang; ich war selbst drei Wochen in England. Und da John Bulls Jockey, wie ich höre, ein Engländer ist und natürlich besser mit diesen Dampfelefanten umzugehen weiß –«
»So würde ich selbst vermuten,« unterbrach ich ihn entgegenkommend, »daß John Bull die größere Wahrscheinlichkeit für sich hat, als Sieger aus dem Rennen herauszukommen.«
»Das genügt, das genügt!« rief der Kleine stürmisch. »Natürlich, es wäre unrecht, Sie zu veranlassen, weiter aus der Schule zu schwatzen. Aber kommen Sie nach dem Wettrennen wieder. Sie sollen Ihr Geld haben, ehe wir ein Schnippchen schlagen. Mein Chef?« – Herr Smith machte eine unehrerbietige Grimasse – »er läßt niemand in Ruhe, die alte Schraube! Er hat mir bei unsrer letzten Wette meinen halben Jahresgehalt abgeschwindelt, und ich bin ein verheirateter Mann mit einer kleinen Familie von sieben. Diesmal soll er mir einmal bluten! – John Bull; natürlich! Sie werden es den Amerikaner nicht gewinnen lassen; das kann ja ein Kind sehen. – Diesmal soll er geschröpft werden. Besten Dank, wertester Herr Eyth!«
Er klopfte mit schneidiger Schärfe an die Zimmertür seines Vorgesetzten. Ein freudiges Herein! der etwas krächzenden Stimme des kirchenältesten Zöllners drang bis zu mir. Ich konnte noch auf der Treppe an dem heiteren Ton ihres Gesprächs hören, wie sie beide glaubten, sich gegenseitig in der Tasche zu haben. Ein schöneres Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen konnte es doch wohl kaum geben. Und hierfür, sagte ich mir mit heimlichem Stolze, sind mir beide jetzt gleich dankbar.
9. Das Elefantenrennen
Ein kurzer, scharfer Regenguß, der in der Nacht gefallen war und die Frühlingsregenzeit einleitete, konnte unsrer Rennbahn zwar nicht sonderlich zuträglich sein, doch trocknete der sonnige Morgen die Wege, die Tribüne und deren etwas spärliche Dekoration genügend, so daß alles glänzte und prangte, wie es sich für einen großen Tag geziemt. In der Stadt war für ein kundiges Auge eine gewisse Bewegung deutlich erkennbar. Gruppen umstanden die Anschlagsäulen und die Bretterwände der im Bau begriffenen Häuser, an denen sich das von Lawrence gedichtete Plakat in Riesenbuchstaben breit machte: »Unerhörte Sensation! Amerika gegen England; England gegen Amerika! Das Mammutwettrennen der zwei Dampfelefanten Jonathan und John Bull« usw. An Straßenecken wurden von zweifelhaften Gestalten Wetten angeboten und angenommen. Gegen nachmittag war die Trambahnlinie in der Richtung des Ausstellungsparks belagert, und von vier Uhr an hingen aufgeregte und im allgemeinen fröhliche Menschen in lebensgefährlicher Weise an den Geländern und Treppen der Wagen, von denen alle acht Minuten fünf und sechs unmittelbar hintereinander nach Osten fuhren.