Schon um elf Uhr hatten wir bei verschlossenen Türen im Parkpavillon eine geheime Sitzung abgehalten: Lawrence, Delano, ich und die zwei Elefantenjockeys Parker und Stone. Es handelte sich um genaue Anweisungen für die beiden letztgenannten. Flüsternd ersuchte ich sie, nachdem die Türen verriegelt waren, ihr heiliges Ehrenwort abzugeben, daß nichts – aber auch nichts! –, was sie in dieser feierlichen Stunde hören sollten, jemals über ihre Lippen kommen werde. »I will be blown,« sagte der Engländer bereitwillig, aber ernst, »wenn ich je etwas ausplaudere.« – »I will be darned!« schwur der Amerikaner. Wörtlich übersetzt heißt das eine: »ich will geblasen«, das andre »ich will gestopft sein« und ist in der Heimat der Betreffenden die landesübliche Umschreibung für den Wunsch, in der untersten Hölle zu braten. Ich konnte beruhigt fortfahren:
»Sie wissen, meine Herren, daß, was wir heute zu tun haben, die Grenze eines kleinen, heiteren Humbugs nicht überschreitet. Ich brauche Ihnen, bei Ihrer Intelligenz, nicht mitzuteilen, daß unsre Elefanten keine wirklichen Elefanten, unser Wettrennen kein wirkliches Wettrennen ist. Herr Lawrence wird Ihnen vielleicht auseinandersetzen, wenn Sie dies wünschen sollten, wie weit unser Vorgehen vom ethischen Standpunkte aus haltbar ist. Ich überlasse ihm diesen Punkt, da derselbe ausschließlich die Anschauungsweise der großen und erleuchteten Nation betrifft, die wir heute zu erfreuen und zu belehren hoffen, und für deren hervorragenden Vertreter ich ihn ansehe. Ich beschränke mich darauf, Ihnen die Versicherung zu geben, daß Herr Lawrence in diesem Punkte völlig beruhigt ist.«
Stone nickte mit einem kaum merklichen Anflug eines Lächelns um seine dünnen Lippen, Parker in stummem Staunen.
»Die Sache ist also einfach die,« begann ich wieder in geschäftsmäßigerem Ton, »Punkt halb fünf Uhr haben Sie sechs Atmosphären Dampf im Kessel, Wasser und Kohle in Ordnung, alle Lager gut geölt – vergessen Sie das Bremsband auf der Hinterachse nicht, Herr Stone –, kurz, die Maschine zur Abfahrt vollständig bereit zu halten. Sie fahren dann vor die Tribüne, wo ich Ihnen Ihre Plätze anweisen werde. Punkt fünf Uhr gibt Herr Delano ein Zeichen; er wird einen Revolver abschießen, wenn ich recht weiß, und Sie, meine Herren, fahren dann dreimal auf dem großen Ring herum. Keine Übereilung; keine unnötige Anstrengung. Zuerst bitte ich Herrn Stone, vorauszufahren, – dann, nach etwa hundert Schritt, muß Parker ihn überholen und einen ziemlichen Vorsprung beibehalten, bis bei der dritten Umfahrt, kurz vor dem Ziel, Herr Stone ihn wieder einholt und eine halbe Minute, oder besser nur ein paar Sekunden, vor Parker durchs Ziel fährt. Hier zum Schluß müssen Sie natürlich ein wenig aufpassen, daß die Sache nicht umgekehrt ausfällt. Sie haben mich verstanden?«
Parkers rundes, harmloses Gesicht verdüsterte sich. »Aber« – fing er an.
»Kein ›Aber‹, Parker,« sagte ich bestimmt, »Sie tun, wie ich Ihnen sagte. Wir sind in Amerika und müssen den Herren Amerikanern zeigen, daß ein englischer Gentleman höflich sein kann.«
Stone lächelte mitleidig; Parker hing den Kopf. »Ich möchte mit Ihnen allein sprechen«, murmelte er in sichtlicher Seelennot.
Wir traten in eine Fensternische, und Jem flüsterte, während sein Kopf purpurrot wurde:
»Mir wäre es ja gleichgültig, Sir, wer am Schluß vorausfährt; aber Sally – ich habe Sally versprochen –«
»Weibergeschichten! Dummheiten! Schämen Sie sich, Parker!« sagte ich entrüstet. »Ich hoffe – die Herren Fowler in England hoffen, daß Sie Ihre Pflicht tun werden.«