Der Geschäftsführer war warm geworden, und ich schwieg. Ich schweige immer, wenn die Währungsfrage in irgendwelcher Form auftaucht. Auch wäre es nicht weise gewesen, um siebenhundertundfünfzig Dollars mit der Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana in ernstlichen Streit zu geraten, wenn man an den Ufern des Mississippi dampfpflügen will.

»Delano hat recht«, sagte Lawrence begütigend und klopfte mir tröstend auf die Schulter. »Man muß das Leben nehmen, wie man es findet. Auch die Menschen. Auch das Geld. Packen Sie die Papierpäckchen zusammen, Herr Eyth. Gehen Sie in Frieden, und preisen Sie mit uns den Herrn, der das alles geschaffen hat. – Bei Gott, Mann!« rief er plötzlich, als ob ihn der glücklichste Gedanke beseelt hätte, »bei der nächsten Kommunalwahl steigt der Plunder wieder um fünfzig Prozent. Das geht wie die Wassereimer in einem Ziehbrunnen, seitdem die Reisesäckler unsern Staat regieren. Packen Sie ein, Sie Glücksvogel!«

Es war sichtlich das klügste, was ich tun konnte. Delano gab mir mit großer Zuvorkommenheit ein mächtiges Kuvert, das ich mit meinem ungefähr um die Hälfte geschwundenen Sieges- und Ehrenpreis vollstopfte. Es war noch immer ein sehr ansehnliches Paket. Dann unterzeichnete ich eine Empfangsbescheinigung, die der Geschäftsführer seufzend in den Kassenschrank legte, und verabschiedete mich von den Herren mit dem unbehaglichen Gefühl, den amerikanischen Verhältnissen vielleicht doch noch nicht ganz gewachsen zu sein.

Nachdenklich ging ich die schöne Kanalstraße hinunter, ohne sie zu sehen. Anstatt ruhiger zu werden, fühlte ich, wie mein Zorn wuchs und sich langsam gegen mich selbst wendete. Als ich um die Ecke in die St. Charlesstraße biegen wollte, stieß ich mit Oberst Schmettkow zusammen, der in seinem abgeschabten Schulmeistersröcklein mit gewohnter Sorglosigkeit daher geschlendert kam. Es war mir lieb. Er war, soweit ich ihn kannte, eine ehrliche Haut und ein Landsmann. Ich brauchte jemand, um mein Herz auszuschütten, jemand, mit dem ich über Amerika schimpfen konnte, und der Oberst war hierzu wie geschaffen. Wir gingen langsam die St. Charlesstraße entlang und taten es.

Ich erzählte ihm, was ich erlebt hatte. Er wurde mit einemmal sehr nachdenklich, tiefsinniger, als ich ihn je gesehen hatte. Er ließ mich sogar fünf Minuten lang sprechen, ohne mir zu widersprechen. Auch das war noch nie vorgekommen, denn trotz all der bunten Erlebnisse, die sein Gesicht gefurcht und seine Haare gebleicht hatten, war er doch immer noch ein halber Berliner. Plötzlich blieb er stehen.

»Herr Eyth!« sagte er, war dann wieder still und atmete, wie wenn es ihm schwer würde, weiter zu sprechen. Ich sah ihn verwundert an; es wurde auch mir etwas unbehaglich. Einen so tiefen Eindruck hatte ich mit meinem leidvollen Bericht kaum hervorzubringen gehofft. Nach einer qualvollen Pause begann er mit gedämpfter Stimme aufs neue:

»Herr Eyth, wollen Sie mir –«

So kam es endlich! Ich hatte es schon längst erwartet.

»Herr Eyth, wollen Sie ein altes Menschenleben retten?«

»Eine meiner Liebhabereien, Oberst!« antwortete ich, in dem Bestreben, die Schärfe des Angriffs durch einen schlechten Witz zu mildern.