Der Hans-Tonl ist mittlerweile wieder die glühende Halde heraufgeschnauft. Der Vater und das Harfenweibl stehen vorm Haus und gucken gegen den Spitzberg. Zwischen dem und dem Plessen geht von unten her eine Wand empor. Die steigt über den Wald herauf und ist scharf abgeschnitten gegen den Himmel – der Wald darunter: eine Wand aus schwarz und grün, die Wolkenmauer, die totstill hervorkriecht, eine aus schwarz und blau. Und oben ist ein schmales Rändlein daran, ganz glatt und blank wie eitel Gold.

Der Wind, der über den Kamm gelaufen ist und die Halde hinunter, ist fort, aber man sieht ihn noch. Da schau hin, Harfenweibl, da schau hin! Wo die Wipfel quirlen, über den Bergwald – da läuft er, läuft immer weiter, und es wogt unter ihm wie dunkelgrüner Bergsee. Und immer, wenn er weg ist, schwankt sich der Wald wieder grollend in die vorige Ruhe. Dann fängt die Sonnenluft über den Wipfeln wieder zu zittern an.

Jetzt ist ein Rumoren drüben in der schwarzblauen Wolkenwand. Das klingt herauf auf den Sonnenwirbel, als lief's unter der Erde, oder: als wär' der Plessen eingefallen und der Spitzberg dazu und wären beide hineingesunken in das blauschwarze drohende Meer.

Der Himmel, der vorhin wie ein blauer Vorhang still hinter den umgoldeten Bergen stand, ist schon ganz silbern und das schwarze Meer, auf dem er ruht, steigt – steigt. Und ab und zu ist das Rollen darin.

Nun paßt auf!

Aber der Hans-Tonl hat noch keine Zeit zum Hinschauen. Das Wawrl hat die letzte Biere so groß geschnürt, wie noch keine zuvor. Da muß der Tonl, wie er sich mit dem Rücken daraufgelegt hat, einmal mehr wippen – schau, er kommt aber doch auf die Beine!

Jetzt hebt er an, zu Berg zu schreiten. Das Wawrl zieht das weiße Kopftüchl durchs Gürtelband, nimmt die beiden Rechen über die Schulter und guckt sich noch einmal um auf dem Grasland, ob's auch nichts vergessen hat. Wahrhaftig schaut ein blankes Käpplein aus dem Heidelbeerbusch hervor, der auf der Wiese um den Grenzstein gewachsen ist. »Da ist ja noch mein Kaffeekrügl,« ruft das Wawrl und läuft hinüber zum Rainstein. Es bindet sich das Gürtelband auf und streift das Krüglein daran. Das Band bindet es vorn. Das Krügl hängt ihm hinten. Es ist so besser, als wenn einer mit vollen Händen die glatte Halde hinanschreitet; leicht gehen einem darauf die Beine aus. Das Wawrl tut ein paar Sprünge, damit es dem Hans-Tonl wieder nachkommt. Wenn's auch nicht gut plauschen ist, den steilen Hang hinauf – Liebesleute gehören zusammen.

Während die beiden so mit der letzten Last duftigen Heus dem Sonnenwirbel zusteuern, hat sich das Harfenweibl auf die Schwelle zum Vorhaus gesetzt und guckt in das schwarze Meer, das vor dem Westhimmel wogt.

Der Wurzltonl hat das Dengelzeug an den Nagel und die Sense über den Balken gehängt. Jetzt geht er durchs Häusl, um fei gemächlich die Lucken zu schließen, oder zu sehen, ob nicht etwa eine Schindel in der Dürre der Tage herausgesprungen oder sonst ein Türlein geschaffen ist, durch welches das Wetter hereinfahren kann. Der Wurzltonl tut die Schiebfensterlein vor und rüttelt da ein wenig und schüttelt dort einmal. Alles ist klapperdürr. Der Regen wird durchlaufen. Die Rähmlein müssen erst wieder ein wenig anziehen.

Aus dem Dachfenster sieht der Wurzltonl: auf dem ›kalten Winter‹ eilen sich der Peterl und die Mahm, daß sie das Heu in Schober kriegen. Dort kann die Sonne nicht den ganzen Tag über im Grase liegen. Da müssen sie halt versuchen, das bißl Wieswuchs vor dem Wetter zu bergen so gut sie können.