Und der Landfahrer läßt die Finger zitternd über die Saiten gehen. Ein Sonnenschein fällt auf sein Gesicht; der kommt aber nicht vom Himmel und durch die Fichtenwipfel hindurch – der kommt aus dem verstürmten Herzen, in dem die Tage der Sorge und Heimatsehnsucht daheim gewesen sind. Jetzt ist gerade der Friede und eine stille heimliche Freude hineingegangen.

Der Landfahrer dreht die Wirbel am Spiel, die knarren, und er prüft die Saiten.

»'s stimmt, Mannl! Aber: halt noch einmal!«

»Was willst denn sagen, Zachenhesselhans?«

»Jetzt, wenn Du draußen säßest am Straßenstein mit den ausgelöschten Lichtln im Kopf, und ein fremder Wind säng Dir sein Liedl, und ein fremder Wind griff mit der Hand in Deine Saiten, der nicht den herben Harzruch aus den Wäldern bringt, und die Tritte fremder Menschen klängen an dem Almosenmannl vorüber und – Freundl: Du hättest ein Sehnen in der Brust nach dem Waldland und tätest Dich drehen und wenden und fändest nicht einmal so weit, daß Du sagen könntest: dorthinaus liegt's, dort heißen sie's ›Am Sonnenwirbel‹, dort bin ich jung gewesen – – Mannl, wenn Dir das geschehen wäre – das wär ein Leid, das wär ein Leid! Du bist einer, mit dem's das Schicksal nit schlecht meint, sonst hätt's Dir die Augen draußen ausgetan. Nun hier, da läßt sich das Hücklein leichter tragen, das es Dir aufgehängt hat. Und fei, ohne daß Du einen Schritt getan, kommen sie Dir im Wald und sagen: »Grüß Gott, Herr Seppl, und wenn Sie Hunger haben, hier gibts zu essen. Lassen Sie sich's gefällig recht wohl sein!« Mannl, und weißt Du, wo Dir das geschieht? In demselbigen Land, aus dem Du gefahren bist, weil's Dir zu schlecht war. Jetzt –: Du hast nach Deinem Mütterl einen Stein geworfen, Landfahrer, und das Mütterl tut Dir wieder seine Tür auf und küßt Dich dafür.

So, das wollt ich Dir noch sagen. Nun sing Dein Sangl!«

Dem Harfenweibl ist ein Körnlein ins Auge geflogen. Es nimmt sein Sacktüchl und macht sich die Augen wieder blank. Ein silbernes Küglein rollt ihr unter dem Sacktuch hervor in den Schoß. Das hat es nicht fangen können und das hat es verraten.

»Brauchst Dich nit zu schämen, Harfenweibl. Dem Seppl ist fei selber ein Wasser in die blinden Augen gegangen!«

Aber der Landfahrer greift schon wieder die Saiten. Jetzt hebt er zu singen an. »Ein bißl staubig ist die Stimme. Das kommt vom langen Fahren im Niederland,« meint der Zachenhesselhans. Und der Landfahrer singt:

Dort, wo die Grenz von Sachsen ist, im Wald die Schwarzbeer blüht,
Dort, wo man heut noch Klöppeln tut, im Winter hutzen gieht,
Da steht nit weit vom Wald davon, sieht klein und ärmlich aus,
Ein Hüttlein, nur aus Holz gebaut, das ist mein Vaterhaus.