»Da muß einer fei stille sein,« sagt der Seppl.

»Muß?« fragt der Mann vom Zechenhaus, »müssen tut er nit – aber wissen muß er fei was Gescheites, sonst: besser is's, er halt's Maul. –

Die Melodie, was man hierzuland sagt ›die Weis‹, die hat der Hans-Tonl mit dem Reimlein auf dieselbige Stund zur Welt gebracht.

Seppl, draußen im Land, da is ein Dichter ein toter Mann, den sie zum Zeichen, daß er ganz tot is, als Bildsäul' aufstellen. Aber, Seppl, und das ist wieder ein Unterschied zwischen dem Draußen und dem Waldland: im Waldland is ein Dichter ein Lebendiger, der fei immer gleich die Melodie zu seinen Liedln gibt, daß ma 's auch singen kann. Aus demselbigen Grund setzt man den Hans-Tonl auch nicht als Bildsäul' an die Landstraßen, wie einen maustoten Heiligen etwan, zu dem kein Mensch aufschaut, sondern dem Hans-Tonl seine Lieder, die er auf den Feierabend sich ausdenkt, die kennen wir alle, die singen wir alle, die machen uns alle froh. Und die Gebirgsfahrer, was die Tou–ris–ten sind, die singen mit auf dem ›Neuen Haus‹, so viel ihrer hinkommen.

Der Hans-Tonl, Mannl, hat für derlei Leut, die von ihren eigenen Dichtern, von den gelehrten, gar nicht wissen, daß sie da sind, der hat für die seine Lieder und die Noten dazu auf Postkarten drucken lassen. Da haben wir »Die Ofenbank,« »Der Vogelbeerbaum,« »Das Vaterhaus« – dasselbig, das wir vorhin mitsammen haben gesungen. Und andere auch noch. Soviel hat der Hans-Tonl fei schon losgelassen, daß einer lang zählen muß, voreh sie all zusammenwären.

Und manchmal, da ist der Hans-Tonl mitten unter den Stadtleuten gestanden, die auf dem ›Neuen Haus‹ beim Bier gesessen haben, und die alle seine Lieder singen helfen, wenn's Weibl die Harfe rupft, und wissen nicht, daß der, der's gemacht hat, fei so nah dabei ist. Einmal, da hab ich die Pfeif aus dem Mund getan und die Mütz herunter und hab mich mitten in die Stube gestellt: »Meine Damen und Herrn«, hab ich gesagt, »und das Bürschl, das die Sangln zurechtgemacht hat und sich ausdenket, das is hier.«

Da sollst schauen, Mannl – ganz still sind sie worden und haben die Mäuler aufgetan. Wie sie fei noch lauscheten, hat so ein klein's Dirnl hinterm Tisch anfangen zu reden: »Nicht wahr, Mama, der alte Mann lügt, das dort ist kein Dichter, ein Dichter hat doch einen Lorbeerkranz.«

Da hab ich gesagt, »Madame«, hab ich gesagt, »dem Kindl sagen Sie gefällig: Lügen tun's bei uns heroben überhaupt nicht. Wenns anderswo nicht ohne das auskommen: wir brauchen's fei nit. Und wenn Sie's nicht glauben wollen, für den Fall sehn Sie gefällig auf das Kärtl, von dem Sie da abgesungen haben. Da steht: ›Melodie, Text und Zeichnung von A. Günther‹; denn auch das Bild hat er gemacht, das soll die Unruh vorstellen. ›A. Günther‹ schreibt sich der Mann aber bloß, heißen tut er: der Taler Hans-Tonl.« Das hab ich gesagt. Dann bin ich meiner Weg.

Hans-Tonl, das muß ich Dir fei schon heut sagen: wir nehmen Deine Sach so hin, wie das täglich Brot. Ich hab aber darüber so meine Gedanken, wie überhaupt über manches daheroben. Wenn die Zeit kommt und die langen Nächte sind, und wenn wir im Schnee sitzen im Wald bis ans Moosdächl, hernach, Hans-Tonl, da reden wir noch einmal darüber. Und das Harfenweibl und der Landfahrer dürfen auch dabei sein.«