»Hat denn der Zachenhesselhans gar nichts zu reden heut? Er ist doch sonst nicht verlegen um ein Wörtl.«

»Wird gleich kommen, 's muß sich einer nur erst ein bißl verschnaufen und sein Pfeifl antun. So – hmp, hmp, hmp.«

Jetzt: der Zachenhesselhans drückt das Schwefelholz justament wie sonst mit dem Daumen und Zeigefinger aus, eh er das Stümplein ins Gras wirft. So wird sich das Fanele auch nicht vor ihm zu fürchten haben.

»Madl, da geh her – das müssen wir feiern mitsammen! Jetzt haben wir fei auch eine ›Höll‹ am Sonnenwirbel. Alle Schindeln hab ich gefragt, die ich auf die Sparren aufgedeckt hab, in den Wind hab ich gelauscht, in die Sonne und in den Wald, was sie miteinander reden, um den Namen für den Hans-Tonl sein Haus. Keins hat eine Antwort gewußt und zuletzt auch nicht der Hans-Tonl selber, der nie um einen guten Rat verlegen ist. Und jetzt – da fährt das wilde Fanele den Berg herein und meint: wenn's bei dem Hans-Tonl die ›Höll‹ heißt, so fahr ich justament hinab. Blitzmadl, komm her ein bißl, darüber müssen wir reden mitsammen, weil's gar so viel klug ist!«

Da steigt das Fanele wieder die Halde empor.

»Geh schau, gleich ist auch der Wind da, wenn er das Fanele merkt, und hilft ihm heraufsteigen. Er lehnt sich von rückwärts gegen das Dirnlein.«

Das sagt der Zachenhesselhans, weil er sieht, wie der Wind dem Mädl den blauen Rock so nach vorn weht. Und der Wind bringt auch den Schall herauf vom Waldrand, wo der Hans-Tonl den Dachkendel festnagelt.

»Die ›Höll‹ heißt's von heut an beim Hans-Tonl, die ›Höll‹. Justament nicht jene, Madl, von der sie sagen, daß der Teufel tät einheizen – bewahre mich Gott! Dieselbig Höll kennen wir nicht im Waldland, von der wollen wir nix wissen und die brauchen wir nicht daheroben; denn wir sind fei so nah beim Himmel am Sonnenwirbel, daß wir, haben wir eine Lust davonzugehen, den nahen Weg dahinauf nehmen, gelt, Madl? Aber weil sie nun einmal sagen, es tät ein dämisches Feuer lodern in dieser Höll, so – weil wir woltern lustig sind auf das Stündl – können wir justament damit anfangen: ein Feuer brennt den Sommer hindurch dort im Talgrund, in den kein Wind hinabsteigt, und die Luft flackert wie leibhaftiger Höllenbrand. Stellen sich dort auch die Fichten der Sonne entgegen und fassen sich an den Händen, um ihr den Eingang zu wehren in die Harzkühle des Waldes. Darum könnt' man's heißen: die Höll'.

Aber das Richtige kommt erst, Madl! Einen Kachelofen hat der Hans-Tonl in die Stube gesetzt – so gewaltig, wie nur mein Großvater einen gehabt hat und wie sie ihn fei gar nit mehr mögen im Waldland seit die ›Kultur‹ in der Welt ist. Und weil nun einmal der Kachelofen da ist, hat der Hans-Tonl auch um eine Höll Sorge getragen – Madl, das ist die richtige: groß wie dem Zachenhesselhans sei Stübl! Der Hans-Tonl meint, wenn er so auf das Denken aus ist und ihm ein neues Lied im Herzen und eine neue Weis' in den Ohren klingt, dort hinter dem Ofen in der Höll, dort werden derlei Sachen erst recht reif. Und weil er justament auf eine feine Höll genau so viel bedacht ist gewesen beim Bau wie auf einen feinen Kuhstall, so ist der Name, den das Fanele bei seiner Talfahrt hat ausgedacht, justament so viel schön für das ganze Häusl.