Als der junge Tag über den Wald herübergeht, hört der Zachenhesselhans auf dem Strohsack ein sanftes Klingen am Dach. So klopft der triefende Frühlingsnebel, der ein gelindes Rieseln über die Schindeln schickt und dem bald die weckende Sonne folgt.
Der Zachenhesselhans reibt sich nicht lange die Augen: so ein Klopfen kennt einer, der im Waldland grau geworden ist. An dem Fenster herab geht's kling – klang – kling. Aber alle Wolken wälzen sich noch über das Grasland und drängen hinein in den Wald.
Da kann einer noch eine Eichtl an den gestrigen Tag denken und daran, wie das Fanele daheim angefangen hat, den Peterl instand zu setzen. Daheim ist eins kecker als im fremden Haus und namentlich in der Hölle, in der's dem Fanele noch zu neu gewesen ist.
»Tun wir das Fenster auf ein wenig! Wenn der Wind über das Gebirg heult und er erspäht eine handbreite Lucke, so wie jetzt im Fenster eine ist, nachher bläst er hindurch, und mit eins, so hat er einen Haufen Nebel im Zimmer, daß einer auf dem Wolkenmantel könnt gen Himmel fahren. Aber heute haben die Frühnebel keinen weiten Weg, drum gehen sie langsam. Steht auch kein Wind dahinter, der einen Regen hineinjagt oder sie mit Eisnadeln sticht: heute früh sind sie an Ort und Stelle und brauchen fei nur niederzusitzen ins Herbstgras oder in das Grün des Bergwalds. Dort wird ein Tau daraus, Millionen Spiegel, in deren jeden hernach die Frau Sonne schauen wird.«
Ueberdem steigt der Zachenhesselhans vom Strohsack in die Lederhosen, zieht sich den Gürtel über den Hüften zusammen und bindet die Riemlein über den Knöcheln.
Die Holzstiege in den Flur hinab knarrt unter seinen Tritten und das Brunnenwasser raucht in den grauen Herbstmorgen hinein als hätt's über einem Feuer gestanden im Berg.
Wie der Zachenhesselhans die Augen sich blank geputzt hat am Brunnen und mit den hohlen Händen die Flut über das Gesicht sich gegossen, richtet er sich das Pfeiflein zurecht – weil die ganze Welt raucht in dieser Frühe, so will auch der Zachenhesselhans rauchen. Und dann: in fünf Minuten raucht der Schornstein vom Zechenhäusl, raucht auch bald das Morgensüpplein auf dem Tische.
Die Uhr ruft sechs Uhr. Da muß der Tag den Sonnenschild heraushängen über dem Keilberg.
So wird der Zachenhesselhans nachschauen, ob nicht schon ein Feuer glimmt hinter dem Wolkenvorhang. Auch das Häcklein nimmt er mit, falls unter dem Rohr, das sein Wasser über die Halden taut, etwa wieder ein fürwitzig Brünnlein in den Tag rinnt, das seinen eignen Weg in die Welt laufen will.