So lieferte sie ihn Minchen Herzliebs Zorn aus, und die knatterte auch gleich los, als hätte es kein Verbrüderungsfest auf dem Sofa Paulinens und kein Vorfrühlingsglück im Park zu Belvedere gegeben –
Er wäre wohl mit allen Mädchen auf Du und Du in Weimar? Und ob er sich einbilde, daß sie gerade auf ihn gewartet hätte? Und was das für ein unsauberes Küssen gewesen wäre mit dieser Gwendolin Vogelgesang – pfui tausend! Und warum er ihr verschwiegen hätte, daß die Husch sogar bei ihm im Hause wohne – oh!
Sie ging mit ihm die Windmühlenstraße hin bis in das Wäldchen um Hases Ruhe und hatte sich in eine rauchende, allgemein menschliche Entrüstung hineingeredet. Darüber konnte er noch lange nicht zu Worte kommen. Zuletzt wartete sie mit einem Platzregen von Tränen auf.
Aber Jockele hätte nicht an einer Wegscheide stehen dürfen – wiewohl er sie längst noch nicht klar zu sehen vermochte – und er hätte nicht das schöne fremde Scheinen des blauen Geldes ums Herz tragen müssen! Die Rede ging Minchen Herzlieb aus dem Munde wie Gift und Oel und war voll weiheloser Empörung, aber sie trat keine Türen ein.
Sie schritten hundertmal den kleinen Weg durch das ausgeholzte Wäldchen, grauer Alltag stand ringsherum, und dem Jockele gefror das Herz vor dieser Millionenschablone bis auf den Grund.
»Minchen Herzlieb, Du warst eine Faschingsdummheit!« sagte er.
Darüber verlor sie die schöne Sicherheit, mit der sie ihm den Tisch voll bittere Mandeln getragen hatte, und die Sache bekam eine neue Wendung; denn Minchen befand sich nicht zum ersten Male in solcher Lage, aber vordem hatte so etwas wenigstens drei Wochen gedauert, nun war es gar auf drei Tage zusammengeschrumpft.
Und sie verfiel in eine grausame Selbstquälerei … »Warum bist Du erst gekommen, wenn Du mich nicht liebgehabt hast?«