Hüpft's Herz hinterm Mieder,
Wird's inwendig heiß.
Und Küsse sind Lieder,
Die man auswendig weiß.

Schon der Wanderweg durch das Webicht und das Wäldchen um Hases Ruhe war eine Strapaze gewesen, wie jene Viertelstunde auf dem Pferde, auf dem sie einmal im Zuckeltrab über einen Acker geritten war. Aber für solche Reisen ins Land der Liebe dankte sie ein- für allemal – dieser Jockele hatte zuletzt Dinge geredet, die genau so aussahen, als mute er seinem Mädchen zu, daß es ihm im Kampfe gegen das Leben beistehen sollte … Dabei packte er dies Leben an ganz anderen Zipfeln an und tat, als ob es sich nach der zufriedenen und hergebrachten Art nicht anständig leben ließe. Er hatte seine Augen immer in Gegenden, in denen die netten Kleider und die tausend interessanten Dinge, die in der Stadt passieren, gar keiner Rede wert waren.

So dachte sie sich in eine lustig-wehmütige Befreiung hinein und daß sie nachmittags zur Anprobe bestellt wäre.

Für Jockele war sie Vergangenheit geworden. In tiefer Dankbarkeit gegen diesen Tag ging er hin und kaufte einen silbernen Armring. Den brachte er Husch mit.

Es war ein unbändiger Drang zur Klarheit in ihm. Er hatte mit Husch nie ein Wort von Liebe gesprochen, nie ein Wort über Gwendolin und Minchen Herzlieb. Das Gefühl, daß er ihr wunderlich ergebungsvolles Herz schonen müßte, hatte ihn gegen seine Art verschwiegen gemacht. Aber nun waren die Mädchen zu dritt um ihn gewesen, und die Freundschaft hatte die Liebe in der Narrenkappe aus dem Lande gejagt.

An diesem Tag schloß er Husch alle Türen und Fenster seines Herzens auf. Wenn einmal die Unordnung über ihn hereinbrach, daß er aus dem Hause floh – Huschs Hände vermochten Wunder zu tun; und so oft er heimkam, umarmte ihn wieder die liebe Stille und sonnige Sauberkeit. Sie sollte ihm auch über sein ungeratenes Herz hinweghelfen.

Es war ihm nicht katerjämmerlich zumute, aber er fühlte, daß er sich eine moralische Schlappe beigebracht hatte, und litt wieder einmal an sich selbst. Doch ging er aufrecht in der Kraft, die im Haus am Walde von Tante Veronikas Treue in heiliger Bewußtheit in ihn gepflanzt war, und sagte: »Wie kann sich ein so langer und tapferer Mensch so verplempern!«

Er ließ Wind und Feldfrische durch sein Herz laufen, atmete über dem großen Lüftungsfeste auf und sagte: »Es ist nicht zu glauben, wie einem ein so kleines, blankes Mädel das Haus verstauben kann!«

Darüber mußte auch Husch lachen. Sie teilte sich ihr bißchen laute Freude ein und lachte in jedem Monat einmal.