Das Gebüsch des Baumwinkels hielt alle Hände über sie, und Jockele rauschte wie das Meer, wenn sich die Morgensonne hineinstürzt.

»So – nun laß Dir mal noch was für morgen,« sagte sie ernsthaft. »Du bringst mich ja um mich selber! Jetzt gehen wir hinein, oder wir gehen hinaus ins Feld, und Du liest mir das Hexenlied vor.«

Da bekam er weite Augen und suchte nach dem Faden, an dem der Tag mit diesem Gedichte aufgereiht war.

Sie merkte das und rettete sich rasch in die Höhe und sagte: »Denkst Du denn, man kennt in Weimar nur Deine irdischen Lieben?«

Er besann sich, wie er an dem Hexenliede wild geworden und in pathetischem Rausch auf die Leiter vor Dos Fenster gestiegen war. Der mädchenhafte Schwatz, den nur Maria Reh betrieben haben konnte, fiel ihn jäh an.

In diesem Augenblick schlug er sich auf und riß das Kapitel Maria Reh heraus und warf es in den Winkel zu dem Fastnachtsspiele Minchen Herzlieb.

»Wie solch eine große und füllige Person ihren Nachbarn das Leben verleidet!« sagte er. »Sie ist wie der Papagei, der nebenan auf der Mauer steht und alle Sonnenruhe in Fetzen reißt. Sie braucht immer ein Tamtam und haut an alle Herzen. Sie ist eine Gehässigkeit oder eine Geschmacklosigkeit – und dies alles, weil sie keiner geheiratet hat!«

»Einst war Maria Reh aber Deine himmlische Liebe.«

»Na ja!« – Er schütterte sich lachend wieder hinein in die frühere Helligkeit; die blühte in roten Küssen wie Mohn im Sommerkorn.