»Und wenn einer nicht Forstmeister werden will?« klügelte Jockele an dieser Rede herum.

»Lern's Junge!« schrie ihm Matthias Prinz ins Gesicht und legte ihm beide Hände auf die Achseln, »und wenn Du's hundertmal nicht weißt, wozu Dir dies oder jenes nützen soll – raff zusammen in Deinen Frühlingsjahren, was Du kannst, denn es könnte die Zeit kommen, da Du Gold daraus schlägst!« Nach dieser klingenden Rede fragte er kurz: »Was willst Du werden?«

»Ich weiß es nicht. Wenn ich sehr fleißig bin, darf ich mir's noch drei Jahre überlegen; bin ich faul, muß ich in irgendeine Lehre.«

»Junge,« sagte Matthias, »das ist ja großartig! …«

Darüber waren sie an den Saum des Buchwalds gekommen, an dem die Umzäunung über dem Goldbrunnen dahinlief.

Sie gingen ganz langsam dem Frühlingshaus entgegen, und Herr Matthias Prinz redete sehr laut und väterlich.

Da lugte die Mali aus dem Küchenfenster, was es wäre, und gleich darauf trat Tante Veronika an dem gelben Krückstock heraus in die Sonne. Sie überschüttete die jungen Leute ganz mit der hellen Freude, die immer nicht genug Platz in ihren Augen hatte, und sagte, sie könne dem Herrn Matthias nun endlich danken für die Teilnahme, die er an der Entwicklung des Jakobus zeige.

Herr Matthias Prinz aber redete sehr verbindlich und ehrfürchtig zu der alten Dame, von der alle einsichtigen Leute mit so heillosem Respekte sprachen, und fand sich auch geschickt zu der Behauptung, von der er dachte, sie werde sie am meisten erfreuen. Er sagte, sie hätte den Jockele zu einem sehr klugen und braven Jungen erzogen.

Es lag aber nicht in der Art Veronikas, sich im Sturme nehmen zu lassen. Deshalb begegnete sie der prinzlichen Begeisterung mit einer maßvollen und sicheren Liebenswürdigkeit; und als Matthias fragte, ob er bei Gelegenheit einmal in ihr Haus treten dürfe, entgegnete sie: »Ich werde mich darüber freuen; und dann wird Ihnen Jakobus in der Gartenhütte zeigen, wie er lernt, und Sie werden ihm sagen, daß ihm noch viel zu tun übriggeblieben ist.«

Danach reichte sie ihm die Hand und wußte, daß aus diesen drei Minuten die größte Wandlung in ihrem Hause hervorwachsen würde, die seit dem Eintritt Jockeles darin gegeben war.