Da tat Jockele einen tiefen Atemzug – es ging nun doch nicht so leicht, wie er nach dem klingenden Begrüßungsfeste gedacht hatte. Er begann tastend – ein Wanderer an einem steilen Hange, der fürchtet, die Steine unter ihm könnten ins Gleiten geraten. Er suchte zuerst auch in den Augen und Mienen der Mädchen, ob sich in ihnen über seine Rede eine heimliche Lustigkeit zeige. Aber sie hörten ihm mit Selbstvergessenheit zu. Einmal unterbrach er sich und sah Maria Reh an: »Wußten Sie schon, daß allerhand Gerüchte über mich in den Dörfern liefen?«
»Ja,« sagte sie, »ich habe es reden hören. Die Leute taten sehr geheimnisvoll; ihre Erzählungen hörten sich auch gar zu komisch-romantisch an – das Lachen kam einem ja, wenn man ihre stumpfen Gedanken und plumpen Münder an diesem Rätsel herumraten sah!«
»Ich dachte es mir, daß Sie es wüßten. Und Sie haben mir auf unseren Waldgängen nichts davon gesagt?«
»Warum sollte ich mich in Dinge drängen, die mich nichts angehen? Und wenn Sie selbst gar keine Ahnung gehabt hätten – warum sollte ich Ihnen denn einen so großen Schmerz bereiten?«
»Sie reden von einem großen Schmerz, Maria. Wollen Sie ganz ehrlich gegen mich sein?«
»Ja,« sagte sie, »ich gelobe es sogar!«
»So sagen Sie mir: was meinen Sie mit diesem großen Schmerz?«
»Ich habe gedacht, es müßte Ihnen sehr weh tun, daß Ihre Mutter Sie so lieblos in die Welt gesetzt hat …«
Darüber sprang Doris Rinkhaus auf und schritt ein paarmal durch die kleine Stube –