Sie sprang mitten hinein in seine Rede –

»Ach, sagen Sie, was Sie wollen, so trägt sich ein Mann nicht, und wenn er sich noch so ernst gebärdet! Ich würde das nicht einmal einem halbwüchsigen Kunstschüler verzeihen.«

»Sie verschießen Ihre Worte ja wie vergiftete Pfeile,« lachte Jockele; aber es war nicht das fröhliche Draufgängertum der anderen Tage in ihm.

»Jawohl, Pfeile! Und ich wünsche, Sie würden getroffen! Ich glaube, es ist die höchste Zeit, Sie einmal auszuputzen. Sie laufen seit ein paar Tagen in der Welt herum und tragen den Kopf unter dem Arm. Kommen Sie mal gleich rein, da kann ich lauter reden!«

Sie faßte ihn am Jackenzipfel und zog ihn hinter sich her in das kleine Haus. Da hatte die Sonne tausend Goldstücke auf die Dielen gelegt – Jockele sah dies poesievolle Leuchten zum erstenmal aus dem nüchternen Gesichtswinkel geprägten Edelmetalls. Das ist ein kläglicher Standpunkt; die meisten Menschen sagen: er ist richtig, aber sie unterbinden sich damit das Herz, kriegen scheele Augen, puddeln sich darüber ins Grab und haben ihr Leben zuletzt doch um das bißchen Himmel betrogen.

Doris Rinkhaus schob die Staffelei und den Stuhl in den Winkel – es war weiter nichts da, das sie am Auffahren ihres Geschützes hinderte. Jockele suchte einen Stützpunkt und wählte sich dazu den Stuhl. Sie wollte gleich ein richtiges Maschinengewehrfeuer auf ihn eröffnen, da befiel sie ein letztes Mitleid – »Mensch, sind Sie krank?« fragte sie.

»Ja,« sagte er, »sehr! Ich habe kein Geld und habe seit drei Tagen eigentlich nichts mehr gegessen.«

»Was fällt Ihnen ein, – sehen Sie denn nicht, daß Sie mich damit einfach entwaffnen?«

»Das einzige Gute an diesem verzweifelten Zustande!« sagte Jockele. »Sehen Sie, ich habe mein Portemonnaie vor ein paar Tagen auseinandergezogen und in die alte Vase gesteckt, als Blume der Erinnerung an schöne Zeiten.«

Er trug vom Fensterbrett nebenan die Vase herüber, die er in einem Winkel des Schuppens gefunden hatte, und darin steckte die zerknüllte Geldtasche und machte eine schmerzensreiche Verbeugung vor Doris Rinkhaus. Die hatte über Jockele im besonderen und über die schiefe Stellung zum Leben reden wollen, in die er hineintrieb – nun aber sprach sie über die Männer im allgemeinen und teilte sie ein in Helden, Dummköpfe und Kinder. Die Helden kämen hier gar nicht in Frage; denn sie wüchsen spärlich wie Mohn im Winter. Die Dummköpfe müßten ausgeschaltet werden, weil sie in Riesenauflagen erschienen und von der fixen Idee befallen seien, sie wären als würdige Vertreter des starken Geschlechts in die Weltregierung eingesetzt und wären so etwas wie die Staatsminister des lieben Gottes. Und die dritte Sorte: die Kinder – aus denen in allen Fällen etwas würde, wenn sie beizeiten einer gescheiten Frau in die Hände fielen …