»Einstweilen sieht man noch gar nicht, was unter dem Wildrosenhute steckt!«

»Kommen Sie, die führ' ich Ihnen vor!«

Sie hatte da ein Waldinneres mit breitem Pinsel etwas pastos auf die Leinwand gestrichen und ihm eine ganz wundervolle Durchleuchtung gegeben. Während sie mit Doris Rinkhaus redete, sah sich Jakobus an dem Bild in ein Sonnenglück hinein, das er gleich in lautem Lob über sie ausschüttete. Da hörte er, daß sie solches Malen förmlich mit auf die Welt gebracht hätte, daß sie aber am liebsten mit der kalten Nadel arbeitete und derlei Leinwanden nur zum Verkaufe bemalte. Sie hatte in Frankfurt und München Kunsthändler, die ihr diese Sachen bescheiden bezahlten, aber sie verkaufte und brachte sich mit dem Ertrage gut durchs Leben.

Sie stellten das Malzeug im Dorfe ein, streiften bis Abends im Walde herum und fanden nicht, daß der Spruch: ›Two is company, three is none‹ in allen Fällen wahr wäre. Einmal lagerten sie sich auf einem Anger, der ganz voll hoher Spätsommerblumen war, darüber schwammen die Schmetterlinge in breiten Flügen, und Jockele dachte, er möchte mit diesem langen, leuchtenden Mädchen auch in der Folge zusammensein. Darum sagte er:

»Gwendolin, wir wollen den Anger malen – beide das gleiche Bild.«

»Warum?« fragte sie.

»Ich will sehen, wie viel weniger ich kann als Sie,« sagte er sehr ernsthaft, und Doris Rinkhaus saß dabei und bekam weite und kalte Augen.

Am anderen Tag, als Jockele daheim auszog, lief ihm das blaue Morgenkleid über den Weg zur Schlüpfe im Zaun – Do ertappte sich auf dem mädchenhaften Gedanken, er hätte sie doch wenigstens auffordern können, mitzugehen. Aber es war morgendlich um ihn, und er sagte: »Ich werde mir heute eine Niederlage holen.« Da nahm sie ein herbes Wort in den Mund, ließ es aber nicht fliegen und sagte ohne Bitterkeit und ohne Teilnahme: »Es ist wahrscheinlich. Mag es nun so oder so kommen – das Spiel wird nicht ohne Gewinn für Sie sein.«

Er hatte die Gedichte Wildenbruchs in der Tasche, und über dem weiten Wanderwege wurde ihm das Malzeug lästig. Da dachte er: »Ich hätte Do sagen können, daß ich heute vielleicht in Ettersburg schlafe …« Mit diesem Gedanken lief er seine Straße, und es blühten um ihn noch andere blutrote heiße Blumen: Gwendolin hatte all die Tage her schon in Ettersburg gewohnt; er wollte ihr das Hexenlied vorlesen, wenn die Schatten auf den Anger traten wie die äugenden Rehe. Das mußte schön sein, so im Lichte der Blumen, die ihre schmeichelnden Seelen in den müden Tag strömten.