Den Band Goethe ließ sie ihm zur Abschrift der Anmerkungen und sagte, wenn sie wiederkäme, würde sie der Enthüllung des Vermächtnisses, das ›in den Fuß des Olympus eingeschwärzt‹ sei, ein gut Stück näher sein. –
Seine Tage – die letzten im lichten Scheinen des Jahres, die es im Scheiden abbrennt als ein königliches Feuerwerk, zogen dahin in tapferer Feindschaft gegen Doris Rinkhaus. Das hatte Gwendolin Vogelgesang getan! Do und Jo gingen aneinander grußlos vorüber, wenn es einmal kam, daß sie nicht ausweichen konnten.
Da hing oft mitternächtige Finsternis um ihn, und er rief sich den Geist Dos wie einer Abgeschiedenen und sagte zu ihm: »Wie denken Sie über die vergrabene Handschrift zum Faust?« Es war komisch – er nannte das Bild mit den hellen Augen und der klaren Sichtigkeit des Märztages immer ›Sie‹. Und Do lehnte sich mit vor der Brust gekreuzten Armen rückwärts gegen das Fensterbrett, wie es ihre Gewohnheit war, wenn sie einen Angriff plante oder sich eine Stellung zu erfolgreicher Verteidigung eroberte –
»Hm,« sagte sie, »es wäre eine Roheit, diese wunderliche Idee vor der Welt ins Lächerliche zu ziehen. Da die Handschrift in der Tat fehlt und die Tagebuchaufzeichnungen Goethes den Schluß auf eine zurzeit verlorene Fassung des Dramas zulassen, so muß man wohl auch jeden Versuch, ihrer habhaft zu werden, achten. Aber ich halte die Kette der Schlüsse jenes Fräuleins doch für eine sehr phantastische Anreihung und glaube nicht, daß sie im Besitz der Wunderlampe ist, die zu dem Schatze leuchtet.«
Aber Jockele, der Dos Geist nun auf dies heimliche Zwiegespräch gefordert hatte, beschied sich damit nicht –
»Und warum sind Sie dieser Ansicht?«
»Ich sagte Ihnen ja schon, daß mir die Beweisführung zu phantastisch erscheint – vor allem aber: es gehört doch eine merkwürdige Auffassung von der Psyche eines ernsten und bedeutenden Mannes dazu, ihr ein derartiges Versteckspiel anzudichten, das ohne Zweifel kindsköpfisch aussieht.«
»Sie kennen die Beweisführung nicht in allen Stücken, Do!«