»Aber das Fundament ist für mich Luft! Es gehört der unbegreifliche Mut einer Frau dazu, darauf ein Gebäude zu errichten.«
Draußen ging ein langer spinnwebfeiner Septemberregen nieder.
Da wühlte sich Jakobus in dem sanft durchwärmten Gartenhäuschen tiefer in Goethe und die Gedankengänge Erika Fluchts hinein – bis zu selbstvergessender Forscherfreude. Der zweite Teil des Faust wurde auch für ihn ein mächtiger Bund von Schlüsseln. Er probierte jeden an den vielen Türen, die der Dichter vor dem ›großen Schelmenstück‹ seines Lebens aufgerichtet hatte. Zu dem dunklen Gange, der den Schatz bewahrte und zu Persephoneien führte, sah er Wegzeichen –: ›Von der Erde muß das Heil uns kommen!‹ stand da geschrieben, und er fand die Verse, die Goethe mit Bezug auf den Hügel seines Gartens gedichtet haben mußte, wenn in der griechischen Landschaft des Peneios das Ilmtal dargestellt war:
Sind Briten hier? Sie reisen sonst so viel,
Schlachtfeldern nachzuspüren, Wasserfällen,
Gestürzten Mauern, klassisch dumpfen Stellen –
Das wäre hier für sie ein würdig Ziel!
Bei der Papiergeldszene, von der ihm Erika Flucht mit geheimnisreicher Inbrunst ihre Deutung gegeben, verweilte er lange. Ihre Fragen klangen ihm in den Ohren – Glocken, die am längsten läuten: »Was soll diese Szene, wenn sie nicht ein Hinweis auf die vergrabene Handschrift wäre?«
Er las:
Vom Estrich zwar ist es nicht aufzuraffen;
Doch Weisheit weiß das Tiefste herzuschaffen.
In Berges Adern, Mauergründen
Ist Gold gemünzt und ungemünzt zu finden;
Und fragt Ihr mich, wer es zutage schafft?
Begabten Manns Natur- und Geisteskraft.
Und daneben stellte Goethe die anderen Worte des Mephistopheles:
Zwar ist es leicht, doch ist das Leichte schwer.
Es liegt schon da, doch um es zu erlangen,
Das ist die Kunst; wer weiß es anzufangen?
Bedenkt doch nur: in jenen Schreckensläuften,
Wo Menschenfluten Land und Volk ersäuften,
Wie der und der, so sehr es ihn erschreckte,
Sein Liebstes da- und dortwohin versteckte …