Deshalb ließ er das Modell für den Armen Heinrich zu einer Zeit kommen, in der er Husch zu einer Besorgung in die Stadt geschickt hatte, oder in der sie in ihrem ekstatischen Schlummer lag.

Das zweite Bild stellte die Szene dar, in der das Mädchen ihren Eltern offenbart, sie wolle für Herrn Heinrich sterben; das dritte die Unterredung mit dem Arzte von Salerno, der sie nicht wankend machen kann in ihrem Entschlusse. Das wurde das beste von allen; denn der verzückte Opfermut durchschauerte ihre Seele als ein unirdisches Licht, und sie versank in das qualvolle Glück des Martyriums. –

Zuletzt stellte er sie dar, wie sie vor Heinrich kniete, als der die Heilung durch die Gnade Gottes empfangen. Aber dazu gebrach ihr die Kraft des Einfühlens, es fehlte ihr der Glaube an die hohe Sonne. Was sie beseligen konnte, lag in Bitternis und Dämmerung.

An diesem Stück saß er vier Tage, und all sein Wille reichte nicht aus, sie zu bekehren, und weder sein Stift noch sein Pinsel fand, was blühender Traum in ihm gewesen war.

Husch lag schlafen. Da ergriff er in der Freude am Gelingen die Zeichnungen und Tafeln und lief mit Erobererschritten zu Do und Maria. Sie waren beide überrascht bis zur Betroffenheit. Maria Reh lobte nach Frauenart im Ueberfluß, Do war froh und kritisch und sagte: »Es ist alles famos, Jo! Aber nun kommen Sie mal her und lassen Sie sich angucken.« Sie rückte ihn ins Licht. – »Na ja! Warum machen Sie sich so gewaltsam krank, Sie waldgesunder Zigeuner?«

Maria Reh trat dazwischen und sagte: »Sie sieht in den Künstler hinein, was er seinem Stoff entnahm! Sie gedachte es böse mit Ihnen zu machen und lobt Sie!«

Da bliesen sie zu einem lustigen Kriege, und Maria Reh jubelte:

»Verehrungswürdiger Jo, ich möchte wieder Ihren Kopf zwischen diese Hände nehmen und in den schwarzen Ringeln Ihrer Haare wühlen – aber es geht nicht mehr. Donnerwetter, wie erwachsen sind Sie!«

Von der andren Seite ritt Do zur Attacke: »Lassen Sie sich nicht von ihr in einen gefährlichen Uebermut hineinloben! Ich klatsche Ihnen von Herzen Beifall, aber Ihre gesunden Sinne sind nicht frei dabei gewesen – haben Sie die Luft Ihres Hauses mit Heliotrop geschwängert, wie Sie das malten?«