Nun, Jockele war diese Rede von den Menschen gewöhnt; sie wächst wild um alle Zäune. Ernst nahm er sie nicht. Da sie nun aber von Gwendolin kam, wurde er steil und blies zur Schlacht. »Du, seit wann bist du ungerecht?«
»Ich habe wohl schon an meinem Verstande gelitten,« bekannte sie.
»Du bist auch ungerecht gegen dich selber,« sagte er, »denn Kämpfer sind wir alle beide – nicht so: ›Mensch sein, heißt Kämpfer sein‹ … sondern: wir zwei haben unser Lebtag weit weg gestanden vom Durchschnitt – auch mit unserem Kampfe. Weiß Gott, es war ein steinichter Weg in den Tartarus und von da auf den Berg der Seligkeiten! Dann hab' ich den Berg mit dem Grabscheit zerhauen; dann hab' ich – na, ich hab' etliches fertiggebracht in meinem Leben. Aber freilich: an den Laden hab' ich mich dazu nicht gelegt, und der Welt in die Ohren geschrien hab' ich's nicht: ›Seht mal her, solch ein Kerl bin ich nun!‹ Zuletzt – das darf man wohl sagen: das Leben hat es gut gemeint mit mir. Aber etwa deswegen, weil ich ihm ein lammfrommer Zuschauer gewesen wäre?«
»War das bei mir anders?« fragte Gwendolin. Die Wehmut war weg. Es klang herausfordernd, es klang unzufrieden.
»Nein. Salzer hat einmal gesagt: ›Die Gwendolin Vogelgesang ist der weibliche Jakobus Sinsheimer.‹ Recht hat er. Aber nun, da du davorstehst, dir das Ehrendoktorat fürs Leben zu erwerben, liebe Gwendolin, nun kneifst du.«
Gwendolin lachte bitter und jäh auf.
»Ach papperlapapp!« rief Jockele. »Mit einem Munde voll Hohn schnellst du mir diesmal nicht aus den Händen!«
»Du hast ja keine Ahnung von der Ehe,« sagte Gwendolin.
»Nun, so ist mir das Talent, für und in Do zu leben, wahrscheinlich im Bergwald eingeboren worden,« sagte er ärgerlich. »Nein, liebste Gwendolin, ich habe mich gehörig in diese Sonne finden müssen! Und das will ich dir auch verraten: sie war im Vorfrühlinge mitunter eklig frostig – man konnte sich das Herz daran erfrieren bei all dem hellen Scheinen. – Warum hast du Erich Meyer nicht geheiratet?«
»Er ist mir zu sacht.«