So schwang sich aus den Frühlingswiesen des Lebens alles in die Bahnen, auf denen es dereinst schön und kraftvoll zu den Höhen des Daseins gelangen sollte. Aber stetig und unwandelbar in den wandelnden Jahren blieben Dos und ihres Mannes Herz: das eine in seinem stillen klaren Licht – und war ein Segen für und für; das andere in seinem weltseligen Zigeunertum: ewig unrastig und voll stolzer Träume, dabei immer bedacht auf die ruhevolle Breite des Lebens – und doch ohne Sturm; stets voller Blüten und voll der fröhlichen Weisheit des Glücks. »Es ist das Erbgut der Männer meines Volks,« sagte Jockele, »als Könige der Pußta tragen sie den Himmel in den Augen, und von dem Golde der Sterne – den fliegenden Tropfen des großen Weltenozeans – ist ein Glanz in unsere Herzen gespritzt.«

Gwendolin lächelte über diese Worte dahin. »Es scheint, den Pußtawanderer Adalbert Stifter trägst du stets auf der Brust.«

»Nein, mitten darin,« bekannte er.

Aber Gwendolins Rede war nicht mehr frei wie einst. In ihren Augen lag nicht mehr die stürmende Fülle. Und in den Klang ihrer Stimme fand sich die Wehmut.

In einer Juninacht saßen die drei Frauen und Jockele im Garten, unter der Ulme, und tranken Erdbeerbowle. Der Mond kämpfte sich blutrot hinter den Büschen herauf. Heuduft schwebte von den Parkwiesen hoch. Da erhob Gwendolin ihr Glas gegen den Mond und sagte: »Noch eine halbe Stunde, du lieber Nachtgesell, dann hast du gesiegt in deinem dumpfen Kampfe gegen den Dunst der Tiefe! Wo bleibe aber ich?«

»Unbegreiflich,« sagte Kordula, »wer hätte gedacht, daß eine Zeit käme, in der du zag würdest vor dem Leben? Du!«

»Es wundert mich gar nicht,« sagte Do, »Gwendolin ist eine von jenen, die mit siebzehn Jahren heiraten müssen. Es ist nun nicht leicht, ihr Mann zu sein.«

»Ihr habt beide gut reden,« sagte Gwendolin bitter, »du und Kordula.«

»Halt,« gebot Jockele, »ich arbeite nur noch nebenher in Flechten, Menschenherzen sind mir wertvoller, und Do sagt, von Frauen hätte ich keine Ahnung. Aber vielleicht von der Ehe?«

»Erst recht nicht,« behauptete Gwendolin, »denn du bist eines jener Hätschelkinder des Schicksals: laufe nur mit weit offenen Händen durchs Leben – es fällt immer etwas Herrliches hinein!«