»Und wenn er kein Windhund gewesen wäre,« ergänzte Jockele. »Wie sagte Gwendolin Vogelgesang? ›Die Ehe ist eine verdammte Kunst.‹ Meine Finger langen nicht mehr zu, dir herzuzählen, was du an jedem auszusetzen hattest. Du hättest auch zu keinem gepaßt.«

»Na also!«

»Aber Richard Schaffrath …«

»Es scheint, den hab' ich mir vorbehalten, meiner Dummheit die Krone damit aufzusetzen. O!«

Im Märchenhause wußte man seit langem, daß die Herzen dieser beiden hochgemuten Menschen Miene machten, in Trotz und Selbstherrlichkeit Wege zu laufen, die sie voneinander fortführten. Es fehlte in diesem Hause nicht an Verständnis für die Art beider: die Schuld lag bei Gwendolin, und sie lag bei Schaffrath. Der war nun Professor geworden. Er war nicht frei von rücksichtslosem Ehrgeiz, aber er hatte nichts von einem Streber. Es war eine gesunde und männliche Kraft. Er stand fest auf sich selber, wie Gwendolin auch; und beide hatten den Sinn zur opferwilligen Zweisamkeit der Ehe darüber ein wenig verkümmern lassen. Nun, so etwas wächst in jedem Garten. Aber seit einiger Zeit fanden sie beide: es wüchse bloß bei ihnen. »Er ist ein Starrkopf und Egoist,« sagte Gwendolin. »Und sie ist unweiblich und rechthaberisch,« sagte Schaffrath.

So war es zwischen ihnen über Winter geworden. Gwendolin war in den vergangenen vierzehn Tagen in Ibenheim gewesen. Dann war sie ins Forsthaus am Hörselberg gewandert, hatte wütig darauflos gemalt und zwischendurch dem Zinzilein ihr Leid geklagt – nicht kleinmütig, und wohl auch nicht mit vergiftetem Munde. Aber von dem »brutalen Egoismus der Männer« war doch mehrfach die Rede gewesen. Die Tante Veronika mischte sich ein für allemal nicht in derlei Dinge. Sie sagte: »Davon versteh' ich wohl nicht genug.«

Das Spiel stand bei den Freunden im Märchenhause, zu denen auch in diesem Falle Kordula und Erich Meyer und Professor Salzer gehörten, für Gwendolin und Schaffrath so, daß man Fehler gegen Fehler aufrechnete. Aber in jener Nacht unter der Ulme verlor Gwendolin die Partie. Man rückte auf der ganzen Linie geschlossen gegen sie an. Daran war das harte Wort von der Dummheit schuld, mit der sie ihr Leben gekrönt hätte.

Do sagte: »Wenn man nicht wüßte, daß du jetzt gallig und ungerecht bist, so würde man dich von nun ab zu jener kläglichen Sorte von Frauen rechnen, die immer auf dem Sprung ins Elternhaus sind, wenn ihnen in der Ehe mal eine Katze über den Weg läuft. Du solltest dich schämen, dieser jammervollen Art nahezurücken.«

Gwendolin war betroffen. Die hohe Stehlampe mit dem pfirsichroten Schirme machte diese Betroffenheit offenbar. Und Kordula sagte: »Mit meinem Mann habe ich wohl wenig Mühe …«

»Nun ja, dieser Athlet des Herzens,« warf Gwendolin aufgewiegelt hin, »der paßt sich in dich wie der Kern in die Aprikose.«