Kordula griff dies Bild auf. »Ja, wenn die Aprikose fertig ist!« Dann sagte sie: »Es war auch für mich nicht so einfach, und es gab viel Falten und Knitter auszubügeln. Das gehört nun eben zur Ehe. Warum ist sie ein Vertrag auf Gegenseitigkeit?«

Darauf sagte Do: »Was könntest du denn dagegen haben, wenn er dich einfach für die Hauswirtschaft forderte?«

»Gilt nicht!« höhnte Gwendolin, »daß ich dazu nicht tauge, wußten wir im vorhinein.«

»Du sollst dir aber nicht einbilden, du könntest nun mit dem Malkasten unterm Arm in die Welt ziehen, so oft dir's paßt, und brauchtest zwei Wochen nicht heimzukommen aus Trotz und Kindsköpfigkeit, und könntest im Walde herumzigeunern und warten, ob er dich sucht. Wenn ich dein Mann wäre, liebe Gwendolin, ich würde sehr viel herzhafter mit dir reden.«

Gwendolin entschuldigte ihre Waldfahrt. »Na, das war doch bloß mal eine kleine Flucht zu mir selber.«

So standen sie mit spitzen Sinnen gegeneinander bis Mitternacht. Schwere Weisheiten förderten sie nicht zutage, aber wahr war's doch, was sie sagten. Gwendolin hatte einmal vorgehabt, der blonden Do in dem Verhältnisse zu ihrem Mann ähnlich zu werden. Und nun war das daraus geworden!

Sie wäre in ihrer Hartmütigkeit am liebsten bis in den neuen Tag im Baumwinkel sitzengeblieben. Aber Kordula nahm ihren Arm, und von der Straße aus sahen sie noch Licht in Richards Zimmer. »Ich bringe dich nach Hause,« sagte Gwendolin. Da gingen sie ganz langsam unter den Sommerbäumen dahin. Das Mondsilber sickerte über sie. »Hast du denn gewußt, daß du so trotzköpfig bist?« fragte Kordula.

»Eigentlich – nein. Hartnäckig war ich stets, aber ich hatte dazu niemanden als mich.«

»Dann würde ich mir auch fürderhin an mir selber den Kopf einrennen,« spottete Kordula, »du hast dich ja damals ganz gut dabei gestanden. Warum suchst du dir nun deinen Mann dazu aus?«

Gwendolin lachte. Aber nur mit einem Auge; denn sie mußte an Salzers Wort denken: »Er ist ja wohl der nächste dazu.«