Dann ging sie mit und ging richtig im Takte der Pfeife, die nun von ganz fern über den Hügel herüberklang. Sie lief auch rasch einmal zu dem weißen Pferd und warf der schönen jungen Elfenbraut ihre Vergißmeinnicht in den Schoß. Da nickte die sehr lieblich und königlich. Und Heidi machte ihr einen feinen Knicks.

Nach einer Weile kamen sie auf eine kleine Wiese im Walde. Dort stand ein Himmelbett aus blauer Seide, und oben auf dem Himmel saßen zwölf Engel und wackelten mit den Flügeln.

Auf einmal erklang eine mächtige Stimme. Nämlich: der Herr Rübezahl hielt eine Rede …

Es war aber gar nicht der Herr Rübezahl, sondern es war der Herr Professor Salzer, der hatte den gelben Krückstock in die Erde gestochen und den grauen Stoffzylinder daraufgestülpt, wischte sich den Schweiß von der Stirn und sagte: »Na, Heidi, was ist dir denn eigentlich eingefallen?«

Und neben ihm standen Papa und Mama und eine große Menge Menschen aus Johannisbad, dazu die halbe Kurmusik; denn als es ruchbar geworden, daß Heidi weg wäre, die der Liebling aller war, kriegten sie das Suchen und stürzten gegen den Wald, als wäre dort ein Luftschiff niedergegangen und sie müßten es besehen.

Und nun tat Heidi die Augen auf und sagte: »O, jetzt seid ihr gerade zu spät gekommen! Nämlich, der Herr Rübezahl hat heute Hochzeit und eben ist der ganze Zug hier vorübergeschritten.«

Eigentlich wollte Mama ein bißchen schelten. Aber nun ging das nicht. Es gab nur Küsse, und der Großpapa Salzer hatte ihr noch etwas sehr Schönes mitgebracht.

Ein Glück war, daß Fräulein Sinsheimer die ganze Aufregung verschlafen hatte.