Einmal im August, als schon die Linden tief drinnen im Astwerk die ersten goldenen Blätter aufsteckten, war der ganze Freundeskreis wieder im Märchenhause versammelt. Auch die Tante Veronika war mit aus Ibenheim gekommen. Sie hatten die fröhliche Heimkehr gefeiert, und Herr Salzer war Festredner gewesen. Zwei Stunden war ihm Frist gesteckt worden dafür – das war lange. Aber es ist zu bedenken, daß er über die Erlebnisse zweier Dichterkutschen und über Rübezahls Hochzeit und die schöne Elfenbraut im seegrünen Schleierkleide und über ein Himmelbett mit zwölf Engeln zu berichten hatte …
Es war schön. Es war atemberaubend schön. Es war so springlebendig, daß sie meinten, sie machten die Reise in dieser Nacht noch einmal. Aber nun waren es vier Dichterkutschen.
Als Herr Salzer fertig war, waren sie noch lange nicht müde, und Gwendolin bat: »So, Jockele, und nun lies uns deinen Roman.«
»Das nächste Mal,« sagte er, »es ist ja gleich Mitternacht.«
Da schlugen die Uhren.
Im Verlag Ullstein & Co, Berlin, erschien ferner in der Sammlung der Ullstein-Bücher von
Max Geißler
Jockele
und die Mädchen
Ein Buch der Jugend ist dieser erste Jockele-Roman
Geißlers und ein Buch der genialischen Lehrjahre,
durch die der schwarzlockige Jakobus Sinsheimer,
Kunstschüler in Weimar und Student in Jena, zum
Manne reift. Kluge und törichte, blonde und dunkle,
sanfte und ausgelassene Mädchen begleiten das
verhätschelte Naturkind. An die rauschende Ilm
versetzt der Roman, in den Weimarer Stadtpark,
ins Liszthaus, nach Tiefurt, Belvedere und
Ettersburg. Allen Reiz der Erinnerung macht
er lebendig, der für die deutsche Andacht
diese Stuben und Gärten umklingt, und der
traulich hinüberspielt in die Gegenwart
mit ihrem frohen, jungen
Menschenwesen.