»Sie hat recht mit dem seltsamen Besuche,« begann er, »da, lies!«
»Warum hast du die Sache hinhängen lassen?« fragte Johnny mißvergnügt.
»Ich wollte dir einen Ärger ersparen,« sagte James. »Henrik Tofte hat ein halb Dutzend Skizzen in seiner Kammer – das ist alles. Was sollen wir damit beginnen? Ich habe auf Rettung gesonnen, aber es ist mir nichts eingefallen.«
Es war eine verzweifelte Sache. Und wenn Henrik und Gwendolin gar als Verlobte von der Bergfahrt zurückkehrten, dann konnte es nicht mehr lange dauern mit den Staatsstipendien und dem leicht erworbenen Künstlerruhme! Eine Art Rettung gab es freilich noch. Aber die war bescheiden genug. Henrik hatte nämlich drüben in Krokengaard ein Bild hängen – dort hatte er im vorigen Sommer gewohnt und damit einen Teil seiner Rechnung beglichen. Aus dem gleichen Grunde hing eine Fjordlandschaft Toftes in dem Gasthause, in dem er seine Mahlzeiten genommen. Nun, beide ließen sich wohl ohne ein großes Aufgebot von Silberkronen erstehen; und beide waren zum Glück nicht mit dem Namen ihres Schöpfers gezeichnet: man brauchte nach langen Jahren nicht zu wissen, wer einst sein Schlafgeld auf diese Weise bezahlt hatte. Aber der Händler wollte einen Abschluß auf die Gesamtproduktion der beiden Jötter für eine bestimmte Frist machen und hatte eine reichliche Anzahlung in Aussicht gestellt. Er dachte wohl daran, die Ateliers der beiden neuen Sterne am britischen Kunsthimmel einfach auszukaufen. Sie aber hatten nichts als hartgekrustete Farben auf ihren Paletten …
Je nun, die Nacht war lang genug, einen listigen Plan zu schmieden. Um Sonnenaufgang fuhr Johnny im Boot, die beiden Bilder zu erstehen. James ließ indessen von dem Mädchen Marit die Kammer Toftes in Ordnung bringen, suchte darin zusammen, was als Bild oder Skizze gelten konnte, und als Johnny triumphierend zurückkehrte, stellte er die Fjordlandschaft auf die Staffelei und überzog sie mit Firnis. So wollten sie die Kammer Toftes als ihr Atelier vorstellen – lieber Gott, zu einem besseren langte es einstweilen eben nicht. Und übrigens malten sie stets in freiem Lichte. Ja. Johnny aber getraute sich nicht, den verbrecherischen Gleichmut des Mister James aufzubringen. Er wollte sagen: ein dänischer Kunstfreund habe ihn just einen Tag vor Empfang des Briefes ausverkauft.
So erwarteten sie den Mann aus London. Und Mister Watson kam. Kein anderer als Henrik Tofte ruderte ihn zur Insel der Auferstehung. Er und Gwendolin, die mit im Boote war, verstanden zwar kein Wort Englisch und Watson kein Wort Norwegisch oder Deutsch. Aber an der Haltestelle des Dampfers hatte man sie zueinandergeführt. Und Gwendolin, die Ahnungsreiche, hatte dem kindlichen Gemüte Toftes auseinandergesetzt, um was es sich dabei handelte; denn Herr Watson hatte ihnen die Namen James King und John Williams als den jüngsten Stolz Britanniens genannt.
Und in der Tat: man fand die beiden in heißem Bemühen in Toftes Kämmerlein. James war angetan mit Henriks Malkittel und gerade dabei, den letzten Strich Firnis auf das »neue« Bild zu setzen, dem er bereits seinen Namen verliehen hatte. Johnny aber rieb Farben für künftige Wunder.
Das ging dem guten Tofte nun doch über die Hutschnur! Er verfiel also in ein so männliches Schimpfen, daß Mister Watson wie angedonnert dastand; denn das merkte er wohl: Liebenswürdigkeiten klingen anders, selbst in einer der unmöglichen Sprachen außerhalb Englands.
Der erfinderische James aber besann sich augenblicklich auf eine kühne Geschichte: dieser lange Mensch, der sich Henrik Tofte nenne, wäre ein Neiding. Er ärgere sich, wenn James und Johnny ihre Bilder verkauften. Und zu alledem hätte das Mädchen Marit in seiner Abwesenheit eine fürchterliche Dummheit gemacht …