Schon wegen der Wette um die Mark bekam er die Lacher auf seine Seite. Für Hanna von Fellner dagegen wurde die Lage unbequem.
»Lassen Sie sich nicht aus dem Sattel werfen, Hannachen!« reizte Herr Xaverius Rinkhaus.
Nun, der Jockele war ja seit drei Stunden verheiratet; und Hanna gehörte zu seiner Frau – sie gehörte also auch zu ihm. Deshalb durfte sie das schon wagen. »Also,« trumpfte sie heraus, »meine Wette hab' ich gewonnen: ein bißchen Angst haben Sie schon zugegeben! Sie sind aber auch ein viel zu junger und interessanter Mann, als daß es Ihnen nicht bange sein müßte vor der Hürde der Ehe. Wie lautet doch die Weisheit junger Leute Ihres Schlages? Sie schupfen verstellungsfroh die Schultern, lieber Doktor! So will ich Ihnen auf die Sprünge helfen. Sie alle fürchten sich vor dem geordneten Leben …«
»Stempeln Sie mit diesem kühnen Satze nicht jeden unverheirateten Mann zu einem Zigeuner?«
Das sorglos gleitende Schiff Hannas war gegen eine Klippe gefahren. »Nun, so will ich sagen: Junge Männer, wenn sie glauben, daß sie richtig gehen, lieben die fröhliche Wildnis, und sie meinen, in der Ehe verkümmern ihnen unentbehrliche Blüten des Lebens.«
Es war keine Erörterung für eine Hochzeitstafel; auch dann nicht, wenn man schon bei den Knackmandeln war. Und doch geriet weder die vortreffliche Stimmung noch einer der Gäste dabei in Gefahr. Nicht einmal Hanna selbst. Aber sie war klug und wollte für diesmal nicht recht behalten. Sie warf dem Jockele also noch rasch einige Perlen aus der Kette ihrer Gedanken zu und rief: »Geben Sie acht, Doktor, daß Ihnen keine davon fortkommt! Auf der Insel der Auferstehung oder im Riesengebirge oder im Gartenhaus am Horn in Weimar wollen wir sie wieder schön auf den Faden reihen.«
Die Insel der Auferstehung ist ein Eiland im Hardanger Fjord. Der Name war von einem Kreise junger Menschen erfunden, die in jener Zeit daselbst hausten. Eine Vereinigung von Künstlern, Träumern und lebensfrohen Kämpfern, die sich »Sturmschwalben« nannten.
Hanna von Fellner hatte nach ihrem rückgängig gewordenen Verlöbnis zwei Wochen auf dieser seligen Insel gelebt. Sie war von einer Freundin dorthin gerufen worden, die die Düsseldorfer Akademie besuchte und einen Sommer lang am Strande Norwegens malte. »Ich gehörte zu den Träumern unter den Sturmschwalben,« sagte Hanna.
»Nun ja, damals!« lachte Jockele.