Um diese Zeit klopfte Nane Thord an Gwendolins Tür; denn Gwendolin schlief Wand an Wand mit ihr. Als sie herauskam, sah sie: die Kerze zitterte in Nane Thords Hand. »Kommen Sie,« sagte Nane Thord, blies das Licht aus und führte sie in ihre finstere Stube … »Da! Da ist das feurige Boot! Sehen Sie es auch?«

»Ja,« sagte Gwendolin.

»Die Gespenster kommen hier immer im neuen Mond.«

»Je nun, es hängt vielleicht mit Rolf Krakes neuer Erkenntnis zusammen.« Das verstand Nane Thord nicht; aber das merkte sie wohl: es lag in Gwendolins Worten ein Spott, der nicht recht zur Blüte kam. Eine wunderliche Sache war die Erscheinung nun doch. Gwendolin eilte indessen vor die Schlafzimmertür Dos und ihres Mannes. Die lagen im ersten Schlummer, und es verstrich eine Frist, bis man sich durch die Tür verständigt hatte. Jockele schlüpfte in den Kimono, Do warf sich das Morgenkleid über und ließ Gwendolin herein. Dann öffneten sie das Fenster, so lautlos es anging – da sahen sie die Sterne still und traumhaft auf dem Grunde der Wasser funkeln, aber von dem Gespensterschiff keine Spur.

Jockele hatte den Revolver aus dem Nachttischkasten genommen und drehte die Trommel. Es klang ein wenig erregt, aber es gab die Gewißheit, daß er im Ernstfalle –

Da war's wieder! »Ho!« machte Jockele sehr bedeutend.

»Es ist jetzt anders geworden,« stellte Gwendolin fest, »vorhin war kein Fährmann darin.«

»Ein Mann ohne Kopf!« flüsterte Do. »Sagt, was ihr wollt – die Sache ist nun doch unheimlich.«

Sie sahen den Mann ohne Kopf alle drei. Er saß dort in weißem Linnen; seine Arme unter der Hülle bewegten die Ruder in geräuschlos langem Schlag, und zwischen den Schultern konnte man genau die Stelle erkennen, an der der Kopf abgerissen war: es sah aus, als läge da noch der Rest eines Bartes, der bei Männern, die ihn tragen, die Schifferkrause heißt.