Einige Tage danach waren Do, Gwendolin und Hanna an Land gefahren und wanderten mit verschränkten Armen am Ufersaum entlang und sprachen vom Leben. Sie mußten heute dazu unter sich sein. Do war für Hanna in der letzten Zeit in allen Stücken die liebe weise Beraterin geworden, und Gwendolin hörte ihnen in nachdenklichem Frohsinn zu. »Sie reden von meinem fernen Lande,« dachte sie. Seit der Kunstschule in Weimar war ihr der Anblick solch einer hoffenden, drängenden und geheimnisvollen Frauenjugend ganz verlorengegangen. Und auch damals hatte sie abseits gestanden mit ihrer größeren Begabung und ihrer gefestigten Art; denn was da in den Malsälen gesessen hatte aus Liebhaberei oder in der Absicht, sich zu beschäftigen, das hatte Augen, denen das Lebensziel im Nebel verschwamm. Eine wie Hanna von Fellner war ihr nie begegnet: die wollte das ganze Reich, in dem sie einmal als Frau einzog, aus ihren fixen weißen Händen zaubern – wenigstens alle Feinarbeit daran. Nun empfing sie Packen weißen Linnens und spiegelnden Batist und weiße Seide. Sie hatte sogar eine Nähmaschine kommen lassen. Im Haus auf der Insel klangen die Nadeln stundenlang durch gespannte Tücher im Stickrahmen; das Wort »Dutzend« spielte eine mächtige Rolle, und Nane Thord betastete mit Augen und Händen den schneeigen Reichtum und wunderte sich stumm vor den Herrlichkeiten, die da mit blauen Seidenbändern zu Türmlein geschichtet wurden.

Aber es war nun einmal so; und die Hanna, die sich immer ein bißchen obenhin durch ihren Vorfrühling geträllert hatte, rüstete für ihr Ostern mit einer Tiefgewalt, die altmodisch ausgesehen hätte, wäre sie nicht so voller Innigkeit gewesen. Deshalb wurde sie einzig in ihrer Art. Sogar die zärtlichen Jung-Frauenträume der »kleinen Wäsche« vergaßen sie nicht – es war ein schweres Exempel. Aber mit vereintem Scharfsinn bekamen sie auch das heraus und dichteten es gleich für zwei.

Darüber bekam Gwendolin das lange Sehen. Sie mußte schon wieder an das »ferne Land« denken und sagte: »Ich habe mir ein feines Leben gemacht; es ist voll Schönheit und Fülle und Freiheit bis oben. Und zuletzt? Zuletzt gehör' ich doch zu den Menschen, die den Weg verloren.«

»O nein,« sagte Do, »aber du könntest wohl dahin kommen.«

»Liegt das an mir?« fragte Gwendolin.

»Ja,« sagte Do, »in der Fremde an deinem hellen Licht siehst du als Dämmerung und Nacht, was außer dir ist. Es ist kein Mädchen umworbener als du. Und ich weiß auch kein Herz, das heißer und genußfroher wäre als deins. Aber du probierst es nicht, diesem Herzen seine Aufgabe zu stellen.«

»Das ist wieder einmal eine richtige Do-Rede gewesen,« lachte Gwendolin, »nun ja, du bist nach Rolf Krake in dem Alter, in dem die Menschen Philosophen sind. Oder hast du das bei Ibsen entdeckt?«

»Nein,« sagte Do. »Ibsen würde sagen: ›Die Frau soll dem Manne bei seiner Arbeit und bei seinem Leben helfen, indem sie ihm Arbeit und Leben leichter macht und indem sie um ihn ist und ihn pflegt‹.«

»So ist es mir handlicher,« sagte Gwendolin. »Ich werde mich daraufhin einmal ansehen müssen.«