Gott, wie lustig sich die Welt von damals jetzt ausnahm aus der gesicherten Entfernung heraus!
So lag das Lebensbuch des Jockele aufgeschlagen zu tiefster Vertraulichkeit für alle, die es sehen wollten. Und weil man auf der Insel einen Winter lang wißbegierig darin gelesen hatte, leistete sich der Jockele auch seinerseits gleich die vertrauliche Frage: »Henrik Tofte, wollen Sie Gwendolin Vogelgesang heiraten?«
»Jawohl, was mich anlangt,« sagte der. »Wir haben davon mehrfach miteinander geredet. Aber mit der Gwendolin ist ja nichts anzufangen, wenn sie nicht will.«
»Und – sie – will – nicht?« forschte Jockele aus drohender Versteinerung heraus.
»Will nicht!« bestätigte Tofte und zog die Schultern.
»Will nicht?« sagte Gwendolin. »So ist das nicht richtig! Nur – ich habe gelernt, mir diese Dinge zu überlegen. Man weiß, ich bin nicht ohne Erlebnisse. Und immer mußte ich es sein, die zur Vernunft kam, wenn es höchste Zeit wurde. Daher ist die Rede unter den Menschen: die Gwendolin Vogelgesang verleugnet nach vier Wochen kaltherzig jede Liebe … Nicht wahr, Jockele?« fragte sie in Erinnerung an den Zwetschengarten von Ettersburg.
»Es war das närrische Jungsein,« sagte Jockele.
»… das ich mein Lebtag nicht loswerden kann,« ergänzte Gwendolin. »Aber ich bin höllisch klug geworden und auf der Hut vor mir selber. Dürfte ich anders den Mut haben, mich – als das einzige junge Mädchen – in den Ring der Männer zu wagen, die des Abends hier zu Tische sitzen?«
Man merkte: dies Gespräch war die ganz persönliche Angelegenheit Gwendolins und Henrik Toftes. Es brach jäh ab, als sich die Tür öffnete.