Ich habe heute seltsames Glück gehabt. Wäre ich abergläubisch, so dächte ich an den armen Polykrates, aber ich will optimistisch denken und hoffe, ich werde weiter Glück haben. Beim Waschen war mir Frau Boehmes Ring, den ich, wie Du weißt, nach ihrem schweren Schicksal und Tode sehr hochhalte, von meinen immerhin abgemagerten Fingern geglitten, und ich hatte es nicht gemerkt. Zwei Stunden später, als ich zurückkam, sah ich etwas im Sande funkeln, und es war der Ring. Dann vermißte ich ein Pfundstück englisch. Es war mir mit dem Taschentuch aus der Tasche geglitten. Auf dem Wege zur Küche traf ich Dr. Heller und erzählte ihm von dem Verluste. Natürlich war es mir fraglos, daß ich das Goldstück nicht wiedererhielte. Er griff in die Tasche und sagte: „Da nehmen Sie es wieder.“ Ich war sprachlos, die Lösung war einfach. Ein Herr hatte das Goldstück gefunden, zu Heller gesagt, wenn wir ausrufen, ein Pfundstück ist gefunden, so melden sich wohl fünfzig Verlierer. Also warten wir ab, ob jemand den Verlust beklagt, sonst verwenden wir es fürs Rote Kreuz.

Also es sei eine gute Vorbedeutung.

Es ist 10 Uhr, ich habe meine Mahlzeit verzehrt und stecke mir trotz Maurer eine Pfeife an und trinke behaglich guten Wein. Der Wein ist fast glühend, er stand zu nahe am Ofen, und ich habe tüchtig eingekachelt, weil es eisig kalt war. Ich will mich einmal ordentlich aufwärmen auf Franzosen- und Korsenkosten. Darum lasse ich das Feuer nicht ausgehen, stecke immer neue Scheite hinein. Mögen sie mir das abziehen vom Gehalt als Médecin-Aide-Major, oder später von den Ersatzansprüchen; für die Franzosen besser, sie zahlen’s jetzt und ziehen’s später ab. Ich habe noch genug Holzscheite im Zimmer, und der Korridor liegt voll davon. Heute sind wir hundert Tage gefangen. Im Holzschuppen da oben feiert man gewiß. Ich wollte wohl mitfeiern, aber heute taugte ich wenig dazu. So sehe ich ins Feuer und schreibe folgendes herunter:

Zum hundertsten Tage unserer Gefangenschaft.

Am Franzosenfeuerofen feire ich allein den Tag,

Und ich werfe große Stoven in den überheizten Ofen,

Kost es, was es kosten mag,

Mich kostet es nichts!

Wär ich als Spion gefangen, setzte ich mich nicht zur Wehr,

Mitgefangen, mitgehangen, an die Wand und ohne Bangen,