Sollten Sie, Herr Kommandant, für diese Frage nicht die zuständige Behörde sein, so bitte ich Sie, diese Beschwerde weiterzureichen. Zugleich bitte ich als Offizier meine Versetzung nach Corté so bald als möglich anordnen zu wollen, da nach der gestrigen Behandlung meine Stellung hier entwürdigt ist, und mich vom Dienste bei Herrn Dr. Marcantoni zu entbinden. — Mit der Versicherung.....
Dr. Br., San.-R., St.-Arzt a. D.
Das Dokument, welches mir die Erlaubnis gab, in der Infirmerie zu wohnen, zeigte ich dem rasenden Marcantoni, der mir natürlich wieder sagte: „Ich pfeife auf den Kommandanten.“ Der Mann ist von einer satanischen Schlechtigkeit, das erkannte wohl jeder, auch die Franzosen. Er will uns zugrunde richten, uns schädigen und erniedrigen, wie er kann. Radei und Bonitz mußten am nächsten Tage zum Arzt, der sie, ohne sie zu untersuchen, gesund schrieb, ihnen sagte, sie sollten das Lazarett reinigen, und sie dazu anstellte. Dann sollten sie in den Kerker. Wofür? Es schreit zum Himmel!
Meine Beschwerde legte ich dem Kommandanten persönlich vor, der mich, nachdem er sie nochmals gelesen, rufen ließ. Es war dies auf dem Hofe. Er nahm mich beiseite, dann sagte er, er selber sei außer sich, daß so etwas vorgekommen sei, aber er könne nichts dabei tun. Ob ich nun damit zufrieden sei, daß er sofort nach Corté geschrieben, der Gouverneur möchte provisionell Order geben, daß ich als Offizier nach Corté berufen werde. Er selber könne nur verfügen, daß, ich nicht weiter unter Herrn Dr. M. zu stellen habe. Ich sprach nun sehr erregt zu ihm, erst französisch, dann riefen wir den Dolmetsch, Comte Peraldi. Ich bat ihn, dem Kommandanten zu sagen, daß ich nicht für mich spräche, sondern für die anderen. Dr. M. hat heute zwei Herren, Radei und Bonitz, die sich krank gemeldet, gesund geschrieben, und läßt sie wegen falscher Krankmeldung einsperren. Aber er hat kein Urteil über ihre Krankheit und kann es nicht haben, da er sie nicht einmal den Rock hat öffnen lassen, geschweige denn irgendeine Untersuchung vorgenommen hat. Ich kann wissenschaftlich beweisen, daß der Herr Dr. M. so keine Diagnose stellen kann, daß es sich bei ihm also nur um persönliches Uebelwollen handelt. Ich fuhr noch erregter fort: „Herr Kommandant, so sterben die Menschen hin, und so wird einer nach dem andern diesem Arzt zum Opfer fallen.“ Graf Peraldi verdolmetschte, ich griff des öfteren in schlechtem Französisch ein und sprach mit Händen und Füßen. Er fragte, was ich von ihm verlange. Ich antwortete, wir bäten um einen anderen Arzt, der Kranke sich zum mindesten ansähe. Weiter bat ich, man möchte von einer Bestrafung Radeis und Bonitz’ Abstand nehmen. Sie könnten weder arbeiten noch ins Gefängnis; sie seien krank. Er versprach alles, der arme Mann, wenn er es auch halten könnte! Um seinen Worten Applomb zu geben, rief er den Leutnant Simeoni, dem diktierte er die Namen beider mit dem Befehle, sie dürften nicht arbeiten, auch nicht in der Infirmerie, es sei ihnen auch jede Strafe zu erlassen.
Dann wandte er sich an mich und fragte, ob ich nun zufrieden sei. Ich war es und dachte, es würde geschehen, wie er es gesagt. Ich Optimist! Es waren wenige Stunden nach dieser Unterredung vergangen. Ich stehe in der Küche mit Bonitz und Radei und erzähle ihnen von dem Erfolge bei dem Kommandanten. Da kommt die Ordonnanz des Arztes: Bonitz und Radei sollen kommen zur Arbeit. — Ich sage: Ich habe Auftrag vom Kommandanten, die beiden dürfen nicht arbeiten. Er kommt zum zweiten Male; ich rufe mir den Comte, der heute verdolmetscht hat. Der sagt der Ordonnanz: Sagen Sie dem Dr. M., Befehl vom Kommandanten, daß Bonitz und Radei arbeitsfrei sind. Jetzt kommt er zum dritten Male. Der diensthabende Offizier Simeoni steht da; ich wende mich an den. Simeoni sagt, daß er den Befehl habe, die beiden nicht zur Arbeit zu schicken.
Während ich mit dem verhandle, stürzt wie eine Viper aus dem Verstecke Dr. M. auf mich zu, den keiner vorher gesehen hatte. Er ergreift mich an der Weste: „Sie sollen’s mir büßen; jetzt sollen Sie arbeiten!“ Im Nu war ich umringt von bewaffneten Forestiers und wurde abgeführt.
Nun kommt, was folgt:
Casabianda, 10. Dezember 1914.
Herr Kommandant!
Meiner gestrigen Beschwerde über Herrn Dr. M. füge ich heute eine neue, weit schwerere zu: