Und aus den Hütten jubelnd herbei kommt klein und groß.
Welch emsig Müh'n und Schaffen rings um der Mutter Schoß!
Herdflammen knistern fröhlich, die Müh lohnt fern und nah:
Das kam vom Segenswirken der edlen Barbara!
Zu Annaberg, im Kirchhof, leis' rauscht der Lindenbaum,
In schlanken Wipfeln flüstert's, wie sel'ger Geister Traum.
Treu dankbar netzt den Hügel der Armut Thränentau
Und preist des Erzgebirges verklärte Engelsfrau!
Richard v. Meerheimb.
b.
Das Spitzenklöppeln im Obererzgebirge.
Aus früherer Zeit wird uns über das Spitzenklöppeln im Erzgebirge folgendes Bild von Berthold Sigismund entworfen:
Im Obererzgebirge sieht man fast hinter jedem Hüttenfenster eifrige Klöpplerinnen. In der schönen Jahreszeit trifft man ganze Gesellschaften von klöppelnden Frauen, Mädchen und Kindern im Freien. Im Winter kommen die Klöppelmädchen abends zusammen und arbeiten gemeinschaftlich, wie anderwärts die Spinnerinnen. Die Haltung der Klöpplerinnen ist allerdings nicht sonderlich anmutig, indem sie beim Arbeiten den Oberkörper, ähnlich wie beim Schreiben, etwas vorbeugen. Die gewandten Bewegungen der Hände aber lassen sich ebenso schwer darstellen, wie der flüchtige Tanz der Finger des Klavierspielers. Die Handhabung der Nadeln beim Stricken ist nichts im Vergleiche zum Gebrauche der Klöppel beim Spitzenanfertigen. Die Verwunderung über die Kunstfertigkeit der Klöppelhände wird noch gesteigert, wenn man das äußerst schlichte Werkzeug sieht, dessen die Klöpplerin sich bedient. Sie sitzt vor einem walzenförmigen, einen Fuß langen, mit Kattun umhüllten Polster, dem sogenannten Klöppelsack oder Klöppelkissen, das mit einer großen Anzahl von Stecknadeln gespickt ist. Der Klöppel selbst ist ein 10 cm langes, zur Form eines Trommelstockes gedrechseltes Holzstück, über welches das »Tütle«, eine dünne hölzerne Hülse von 4 cm Länge, gesteckt ist, damit der um den Klöppel gewickelte Faden nicht beschmutzt wird. Einen solchen Klöppel mit Tütle kauft man um einige Pfennige. Das Köpfchen ziert eine Perle. Jede Klöpplerin sucht ihren Stolz in einer bunten Mannigfaltigkeit der letzteren. Zu schmalen Spitzen gehören 2–4, zu breiten wohl 100 Paare. Um die Mitte des Kissens ist ein Streifen starken Papiers, auf welchen das Muster durch Nadelstiche vorgezeichnet ist, der sogenannte Klöppelbrief, geschlungen. Zunächst werden soviele Fäden, als das Muster erfordert, auf ebensoviele Klöppel aufgewunden, die freien Enden in einen Knoten geschürzt und auf dem Kissen befestigt. Dann beginnt das Klöppeln, welches im wesentlichen nicht anders ist, als eine kunstvolle Art zu flechten. Die Arbeiterin faßt mit den Fingerspitzen bald der rechten, bald der linken Hand mehrere Klöppel, wickelt durch gewandte Drehung derselben etwas Faden ab und kreuzt die Fäden durch einen »Schlag« zu einer Art Knoten. Die so gebildeten Maschen werden zeitweilig durch bunte, glasköpfige Stecknadeln an dem Klöppelbriefe festgehalten. Rasch beseitigt nun die Hand diejenigen Klöppelpaare, welche eben gebraucht wurden und bis auf weiteres entbehrlich sind, dadurch, daß sie dieselben mit einer großen Aufstecknadel seitlich am Kissen feststeckt. Dann nimmt sie mit bewunderungswürdiger Sicherheit aus der Menge der Klöppel, die alle gleich aussehen und nicht an Nummern oder sonstigen Zeichen kenntlich sind, andere Paare heraus, um damit weiter zu arbeiten. – Es ist begreiflich, daß die Fertigkeit, mit welcher die Klöpplerin für jede Nadel den rechten Klöppel findet und benutzt, nur durch Übung von frühester Jugend an errungen werden kann, weshalb auch Kinder schon im vierten und fünften Lebensjahre zu klöppeln anfangen. Auch sorgen für Erlernung der erzgebirgischen Kunst außer den Familien mehrere vom Staate unterstützte Klöppelschulen.
Nach Berthold Sigismund.
c.
Die Namen der Spitzenmuster.
Erbsgrund, Batzen, Wickelkind,
Töpfe, worin Blumen sind,
Rohrstuhl, Mücken, Steingeränder,
Wanzen und auch Schlangenbänder,
Auch Pantoffeln, Hirschgeweih,
Quärche, Schwanzbirn, Stickerei,
Hummeln, türkisch zahm gemacht,
Schneeball gar in schwarzer Pracht,
Himmelswägel, Stiefelknecht,
Maul vom Frosch – ist auch nicht schlecht –,
Katzenbuckel, Kuchenschieber,
Wässerle, bald hell, bald trüber,
Hacke, um das Kraut zu reißen,
Kirchenfenster und Hufeisen
Derart nennen, die da schwitzen
An den Klöppeln, ihre Spitzen.
Nach Dr. Otto Krause.