Am 9. August 1628 hielt der Kurfürst ein Abschießen zwischen Steinbach und Grumbach, er erlegte dabei 570 Stück Wild. Er ließ auch den Herrn Peter Versmann, Pfarrer zu Arnsfeld, vor sich predigen, und da ihm seine Gaben wohl gefielen, versorgte er nicht allein sein Haus mit Wildbret, sondern er befahl auch seinen Leibärzten, sie sollten den armen Mann, weil er wassersüchtig war, doch heilen. Die Ärzte versuchten ihr Heil, trieben zwar das Wasser heraus, aber der Pfarrer fiel in die Schwindsucht, woran er starb. »Gesegne euch Gott, ihr Hölzer, ich sehe euch nicht wieder,« waren die Abschiedsworte des Kurfürsten an sein erzgebirgisches Jagdgebiet.

Die Fanfaren der kurfürstlichen Jäger sind in unserem Erzgebirge schon seit langer Zeit verstummt, der Reichtum an Wild ist verschwunden, dennoch ist die Poesie in unseren Wäldern nicht ganz dahin, denn noch hört man, wenn auch vereinzelt, in unseren Staatsforsten auf dem Kamme des Gebirges den Schrei des Hirsches und noch lacht in hoher Krone der Auerhahn!

Nach Lungwitz.

c.
Jagdfronden der Obererzgebirger.

Eine große Last waren die Jagddienste, welche die Unterthanen zu leisten hatten. Im Amte Crottendorf hatten von 302 Mann die eine Hälfte die Seile in die Wildhecken einzubinden, wieder aufzuheben und vor den Seilen aufs Wild zu warten; die andere Hälfte hatte die Netze, Tücher und Seile aufzuhängen und zu trocknen, sowie das Jagdzeug auf die Wolfsjagd zu fahren. Zu den Netzfuhren mußten auch die Hammermeister Vorspann leisten und erhielten dann von den dienstpflichtigen Dorfschaften für 4 Pferde 16 Groschen, für 2 Pferde 8 Groschen. Außerdem hatten die Dorfschaften noch die Wildbretfuhren, die Abfuhr des erlegten Wildes, zu leisten, die Hammermeister, zwei Jäger mit Jägerburschen, Hundebuben und Hunden, nach Gelegenheit der angestellten Jagden mit Herberge und Mahl zu versorgen. Zu einer im Jahre 1564 beabsichtigten kurfürstlichen Jagd im Erzgebirge wurden erfordert: im Amte Lauenstein 6 Wagen und 268 Mann, im Amte Altenberg 36 Wagen und 352 Mann, im Amte Dippoldiswalde 17 Geschirre ohne Lohn, 13 für 12 Groschen täglich und 64 Mann, im Amte Stollberg 77 Geschirre und 293 Mann, im ganzen also 155 Geschirre und 1277 Mann zu Fuß. Im Amte Lauterstein waren 700 Mann zu Jagddiensten verpflichtet. Von den Dorfschaften des Amtes Augustusburg mußten im Jahre 1585 Dorfschellenberg, Grünberg und Marbach zu den Netz- und Zeugfuhren jede zwei Wagen stellen. Genügte das nicht, so mußten die 482 Anspanner der anderen Amts-Dorfschaften helfen und erhielten dann für jeden Wagen täglich 1 Gulden. Die Gemeinden zu Krummhennersdorf, Dorfschellenberg, Euba, welche die Wolfsnetze und das im Amte gepirschte Wildbret auf die Augustusburg oder nach Zschopau fuhren, erhielten für jeden Schlitten 5 Groschen, eine Kanne Bier und ein Hofbrot. Die Richter zu Flöha, Gornau, Metzdorf mußten jeder einen Wagen stellen, die Anspanner von Hennersdorf im Winter für das Wild Heu in die Mörbitz und hinter das Schloß fahren und jährlich zweimal hinter dem Schlosse die Hirschlecken schlagen und erneuern, den Lehm dazu schlagen und erneuern. Sie erhielten täglich ein Hofbrot. Alle Einwohner des Amtes mußten zur Wolfsjagd als Läufer dienen, bei jeder dritten Reihe die Häusler, doch waren 100 Mann aus verschiedenen Dorfschaften ganz befreit.

Zur Erleichterung dieser Beschwerden, zur Verschonung der armen Unterthanen und Ersparung großer Kosten errichtete der Kurfürst 1560 in allen Kreisen Jagdzeughäuser, in welchen das für den betreffenden Kreis notwendige Jagdzeug verwahrt und wodurch die Nachführung desselben auf zu große Entfernungen vermieden wurde. Andere Erleichterungen suchten sich manche Gemeinden selbst zu verschaffen. So erboten sich die Untertanen des Amtes Grünhain, wenn ihnen die Fronen bei der Wolfsjagd erlassen würden, 100 Mann jährlich 5 Wochen lang zur Räumung der Wege im Amte Schwarzenberg auf eigene Kosten zu stellen und zu unterhalten. Auch die Erhaltung der Jagdhunde führte Belästigungen mit sich. Während der Zeit, in welcher die Hunde zur Jagd nicht gebraucht wurden, ließ der Kurfürst August sie in die Ämter zur unentgeltlichen Verpflegung verteilen.

Nach Schlegel.

d.
Ein Jagdaufzug mit erzgebirgischen wilden Tieren in Dresden.

Im Jahre 1662 hielt Christian Ernst, Markgraf zu Brandenburg, mit Erdmute Sophia, Kurfürstl. Prinzessin zu Sachsen, in Dresden Hochzeit, bei welcher der damalige Kurprinz Johann Georg III. und nachmalige Kurfürst einen Jägeraufzug ausführte.

Vor dem Oberhofjägermeister schritten drei Waidmänner mit Leithunden. Nachher kamen dreißig, je drei und drei, Oberförster, Forstburschen, Wildmeister, Hof- und Landjäger. Zwei Riesen traten in Gestalt wilder Männer auf. Ihnen zunächst folgten auf einem Festwagen, der einen künstlichen Berg darstellte, gleich einem Walde mit Tieren und Vögeln geziert, vier Personen mit Schalmeien. Seine prinzliche Durchlaucht ritt in Dianengestalt auf einem weißen Hirsche. Nymphen schritten an Lakeien statt vorauf, nebenher und hintennach. Dreißig nun folgende Jäger trugen Schweineisen und Birschbüchsen. Drei Personen waren als Löwenwärter in grüner Tracht und zwei Pfeifer wie Wilde gekleidet. Auf ihrem Wagen befanden sich fünf junge Bären. Es folgte ein Kasten mit zwei Tigertieren, je ein Käfig mit einem Löwen, einer Löwin, einem weißen Bären. Jägerburschen führten englische Hunde. Vier Oberförster begleiteten den größten, den brandenburgischen versinnbildlichenden Bären. Hernach führte man Herzog Moritzens Bären. Auch die wilden Schweine fehlten nicht. Luchse, Wölfe und Füchse, Hasen, wilde Kaninchen und Eichhörnchen, Fischottern, Wildkatzen, Marder und Hamster zogen alle an den Augen der Schaulustigen vorüber. Auf Birschwagen waren Hirsche geladen, der Wendewagen mit Hasen und Füchsen behangen. Im ganzen Zuge befanden sich 265 Personen und 139 Pferde.