Nach Chr. Lehmann.

e.
Wildschützen.

Die Wildschützen haben nach Lehmann »auf dem Gebirge«, besonders auf den hohen Wäldern um und hinter dem Fichtelberge großen Schaden verübt. Sie haben das Wild haufenweise weggeschossen, die Häute in Böhmen verkauft und sind so sicher gewesen, daß sie des Nachts bei den Köhlern im Kohlkram gelegen, gesotten und gebraten, ihnen ihr Brot mit Gewalt genommen haben und ihnen mit dem Tode drohten, wenn sie Verrat üben würden.

Die Strafen waren hart. Zur Zeit des Herzogs Moritz band man einen Wilderer auf einen lebendigen Hirsch und jagte das Tier in die Wildnis, sodaß er jämmerlich ausstehen mußte. Das geschah, weil vorherige Strafdrohungen nichts genützt hatten.

Als 1559 die Wälder mit der Herrschaft Crottendorf an Kursachsen kamen, wurde Wolf Windreuter zum Oberförster nach Crottendorf gesetzt, der 1566 einen Wildzaun um die Grenzen bauen ließ, worüber man ein Jahr brauchte und außer der Fron 1000 Thaler aufwendete. 1570 bis 1578 mußten kurfürstliche Trabanten die Wäldner bei ihren Umgängen um den Grenzzaun begleiten, um den Wildschützen gewachsen zu sein. Für jeden erschossenen Wilddieb erhielten sie 30, 40 bis 80 Thaler. Erschossene hing man an den ersten besten Baum auf und nagelte über das Haupt ein Hirschgeweih.

7. Eishöhlen im Erzgebirge.

Als Eishöhlen im Erzgebirge sind bekannt: der Garische Stollen, die Ritterhöhle und die Stülpnerhöhle bei Ehrenfriedersdorf, die Binge bei Geyer und die »Alte Thiele« bei Buchholz im sächsischen, die Schneebinge bei Platten im böhmischen Erzgebirge. Diese Eishöhlen sind natürliche oder künstliche Hohlräume im Felsgestein, welche das ganze Jahr hindurch oder wenigstens während eines größeren Teiles desselben Eis enthalten, das sich in ihnen selbst gebildet hat. Die Stülpnerhöhle und die Ritterhöhle sind statische oder eigentliche Eishöhlen, auch Sackhöhlen genannt, indem sie, nach hinten zu sich senkend, am unteren Ende abgeschlossen sind, so daß die von außen eindringende kalte Luft nach der Tiefe sinkt und dort die Eisbildung bewirkt; beim Eintritt der wärmeren Jahreszeit aber hält sich durch das Schmelzen des Eises die Temperatur lange Zeit in der Nähe des Nullpunktes, der Eisvorrat geht daher nur ganz langsam seinem Ende entgegen. Der Garische Stollen gehört zu den dynamischen Eishöhlen oder den Windröhren, bei denen ein Spaltensystem, das vom Hintergrunde aus den Berg durchzieht, eine unterirdische Verbindung mit höher gelegenen Stollen ermöglicht, was zur Folge hat, daß sofort eine Luftströmung entsteht, wenn die Temperatur innerhalb und außerhalb der Höhle verschieden ist, und dadurch das Innere im Winter abgekühlt, im Sommer nur allmählich erwärmt wird, das Eis also lange erhalten bleibt. In den Windröhren herrscht meist ein starker Luftzug, während es in den Sackhöhlen im Sommer vollkommen windstill ist. Die »Alte Thiele« stellt sich als Übergang von den Sackhöhlen zu den Windröhren dar, indem sie nach ihrer ganzen Anlage zu den ersteren gerechnet werden muß, aber durch ihre hintere Kammer, welche die Verbindung mit anderen Gängen herstellt, sich dem Charakter der letzteren nähert. Alle die genannten Eishöhlen des Erzgebirges verdanken ihren Ursprung dem Bergbau; denn sie befinden sich in Einsenkungen, welche durch den Zusammenbruch vom Bergbau geschaffener unterirdischer Hohlräume entstanden sind. Bis in den Mai und Juni hinein findet sich in ihnen Eis vor, in der Schneebinge bei Platten, der eisreichsten dieser Höhlen, noch länger. Dort wurde am 21. Juli 1894 die Tiefe des den Boden bedeckenden Firns auf 1,5 bis 3,00 Meter bestimmt. Schon lange ist die Schneebinge wegen ihres Eisreichtums im Sommer bekannt. In eisarmen Zeiten wird von ihr Eis nach Karlsbad geführt; im Jahre 1863 soll sogar nach Leipzig zum Turnfest Eis aus der Binge versendet worden sein. Gegenwärtig ist sie an eine Bierbrauerei in Platten verpachtet.

Nach Fitzner.

8. Die obererzgebirgischen Mineralquellen und Bäder.

Im Zusammenhange mit den reichen Erzgängen des Obererzgebirges, welche Quarz, Hornstein, Jaspis, Chalcedon, Amethyst, Eisen- und Manganerze enthalten, stehen eine Anzahl von Mineralquellen. Solche Gänge, die als Quellengänge bezeichnet werden, sind die Wege, auf denen die verschiedenen mineralischen Wässer unserer Gegend aus der Tiefe hervorquellen.