Nach Donat-Holzhaus.
b.
Wie in Böhmen der Krieg ausbricht.
Kaum hatten sich die unglücklichen Bürger Annabergs von den Schäden des großen Brandes 1604 notdürftig erholt, da hatten sie um die gerettete Habe wegen des in Böhmen 1618 ausgebrochenen Dreißigjährigen Krieges zu fürchten. Von 1622 an suchten verschiedene böhmische Protestanten in Annabergs Mauern eine Freistatt ihres bedrückten und verfolgten Glaubens. Dieser Zuzug steigerte sich wesentlich 1625–26. Namentlich viele Edelleute waren es, die sich hier niederließen. Zu ihnen gehörte Sidonie von Hassenstein. Das gewöhnliche Volk bezog die Dörfer oder gründete neue Ansiedelungen. So ließen sich in damaliger Zeit eine Anzahl Flüchtiger in Cranzahl, Bärenstein, Stahlberg und anderen Orten nieder. Aus einem Dorfe bei Elbogen hinter Karlsbad flüchtete ein vertriebener Bauer, Barthel Leibelt, in die Cranzahler Richterschmiede. Bei dem glaubensfrischen Steiger Christian Päßler in Stahlberg, der an seiner Kirche sein Paradies gehabt hat, ließen sich sehr viele nieder und bauten sich an. Wie groß die Glaubenstreue gewesen ist, ersieht man daraus, daß Georg Wagner, Richter am Weipert, 1643 als Apostata oder Abtrünniger erwähnt ist. Insbesondere mußten auch die Geistlichen, in Joachimsthal sogar 3, katholischen Priestern und Mönchen weichen. Der Weiperter Pfarrer vermochte sich bis 1625 zu halten. Als er da der Macht wich, zog er nach Cranzahl. Seine Gemeinde ging mit ihm hier zur Kirche. Erwähnt sei noch, daß 1620 Michael Mahn und Joachim Petzelt von Cranzahl in Böhmen von Kriegsleuten angegriffen und ums Leben gebracht worden sind. Ihnen wurden wenigstens in Cranzahl Leichenreden gehalten.
Nach P. Schultze und Finck.
c.
Wie dem Obererzgebirge das Kriegsunglück naht.
Im Jahre 1629 wurde am 6. März zu Annaberg das Restitutionsedikt, das die Herausgabe sämtlicher Kirchengüter forderte, veröffentlicht. Bis zum Jahre 1629 hatte man im Erzgebirge von dem großen Kriege in den deutschen Landen nur wenig bemerkt. Einige Durchmärsche der Kaiserlichen über das Gebirge brachten nur vorübergehende Unzuträglichkeiten. 1630 feierte man in allen protestantischen Kirchen das Jubeljahr der Übergabe des Augsburgischen Bekenntnisses. Die entscheidende Wendung brachte das Jahr 1631, nach Gustav Adolfs Sieg bei Breitenfeld am 7. September. Kurfürst Johann Georg I. ließ nun Truppen werben. Die Erzgebirgspässe wurden besetzt. Der alte Slavenpaß, der über Weipert und Komotau in das Egerthal führt, bildete nun in dem wechselvollen Kriege eine viel benutzte Heerstraße. »Das gute Gebirge mußte alle Parteien von Freund und Feind erdulden, sie speisen, auslösen, fördern und hausen lassen.«
Meltzer erzählt in seiner Stadtgeschichte Schneebergs von Wunderzeichen am Himmel, welche den Krieg anzeigten. Am 25. Januar oder Pauli Bekehrungstage 1630 hat man überall im Gebirge ein Feuer- und Wunderzeichen am Himmel gesehen, als wenn unterschiedene Kriegstruppen miteinander im Gefechte wären. Dergleichen hat man gehöret, als wenn Musketen losgingen, zur Begrüßung geschossen würde. Dies haben unzählige Personen mit Verwunderung und Schrecken beobachtet, aber auch mit seiner Bedeutung in erfolgten feindlichen Einfällen und Kriegsbewegungen erkannt.
Nach Meltzer u. a.
d.
Wie wichtige Obererzgebirgspässe besetzt werden.
Drei Hauptpässe, erzählt Chr. Lehmann in seinem »Schauplatze«, gehen über dieses Gebirge nach Böhmen, nämlich der Rittersgrüner, Preßnitzer und Reitzenhainer. Der Rittersgrüner liegt in einer festen Enge, daß man den ganzen Grund mit einer Schanze sperren konnte, und hat Holck viel Mühe und Beschwerden gekostet, ehe er durch das enge und morastige Waldgebirge hat brechen können. Der Preßnitzer geht über Kühberg, Paßberg und ist ein gut Stück gebrücket. Die 10 Minuten langen Schanzen am Blechhammer sind noch jetzt zu erkennen. Der Reitzenhainer geht über Stollberg, Zschopau und Marienberg hin, liegt mitten im Walde eine halbe Meile von Paßberg und hat der reisenden Leute halber einen Gasthof.