Durch diese Pässe haben die Gebirger im Dreißigjährigen Kriege großen Schaden erlitten. Diese Waldpässe wurden im Jahre 1631 im September weit und breit verhauen, viel tausend Bäume gefället, daß sie meist mannshoch übereinander lagen, weder Roß noch Wagen durch konnten und Korn, Malz und Mehl, alles herübergetragen oder geschleppt und kümmerlich durchgezogen werden mußte.
Vor dem Reitzenhainer Paß war eine böhmische Schanze und ein Vorratshaus von Böhmen besetzt, welche der sächsische Oberst Taube mit 1500 Mann zerstörte. An dem Preßnitzer Paß hatte man zwei Schanzen angelegt. Die eine war nahe an Weipert am Grenzwasser beim Gasthofe. Man hatte den Hof und das Haus mit hohen Pfählen verschanzt, Schießlöcher durch die Ställe gemacht und den hohlen Weg zum Laufgraben gebraucht. Das Wachhaus war mit Pfählen hoch verschanzt und darüber eine kleine viereckige Schanze. Diesen Paß besetzte der auf Preßnitz liegende Hauptmann Krebs mit 50 Musketieren, setzte die nächsten Dörfer umher in Kriegskosten, gab Schutzwachen aus nach Crottendorf, Sehma, Cranzahl.
Ehe diese Pässe verhauen wurden, mußten die Gebirger vier Wochen lang in großer Anzahl davorliegen. Die Wolkensteiner bewachten den Paß von Reitzenhain und Kriegwald, die Annaberger und Grünhainer den Preßnitzer, das Amt Schwarzenberg den Paß bei Wiesenthal und Rittersgrün.
Vor alters hatte man von Freiberg die Pässe von Frauenstein, Reitzenhain, Preßnitz. Durch diese sehr wilden und engen Pässe ist man nach Halle, Leipzig und dem Harze gefahren und zwar nicht ohne große Mühe und Gefahr wegen des Morastes, des tiefen Schnees und der Räuber. Sie sind aber auf viertel, halbe und dreiviertel Meilen gebessert und gebrücket, auch darum mit Zöllen und Geleitgeldern beleget worden. Überdies findet man auch richtige Wege zur Jägerei und Anführung der Zeugwagen. Bei Joachimsthal ließ General Holck einen neuen Weg durch Aufhauung des Waldes räumen.
Ein Lichtungsweg oder Paß berührte also auch die Bärensteiner und Weiperter Flur. Eine Fortsetzung der Handelsstraße von Prag nach Laun, Saaz, Kralup und Kaden darstellend, zog er sich durch Reischdorf nach Preßnitz, wo ein Schloß mit drei Türmen stand, von einem Wassergraben umgeben und geschützt durch eine Zugbrücke. Von dieser mutmaßlichen Zollstätte führte der Paß nach Pleil und Sorgenthal, dem Weißen Hirsch und durch die nördliche Spitze Weiperts nach dem Blechhammer herunter. Hier überschritt er den Grenzbach, die Pöhla, und ging über Kühberg und Zollhaus Berghäusel nach Cranzahl herein, von hier aber auf der »alten Schlettauer Straße« nach Schlettau und weiter nach Elterlein, Zwönitz, Stollberg, Leipzig und Halle, woher die Böhmen das unentbehrliche Salz holten, das ihr Kesselland nicht besitzt. Noch heute sind an vielen Stellen die tief und breit in Felsboden ausgefahrenen Hohlwege sichtbar, wie am Blechhammer, in Kühberg, vor dem Erbgerichte und auf der »alten Straße« nach Schlettau, das übrigens noch im Jahre 1807 zur Wiederherstellung der Grenzbrücke am Blechhammer 72 M beitragen mußte.
Nach Chr. Lehmann und P. Schultze.
e.
Die ersten Kriegsdrangsale in Marienberg.
Am 16. September 1631 wurden 1500 Mann kaiserliches Fußvolk, das bei Leipzig nach der Schlacht bei Breitenfeld, am 7. September, sich ergeben hatte und nun freien Abzug nach Böhmen erhielt, durch sächsische Reiterei und Infanterie bis Reitzenhain geführt, bei welcher Gelegenheit die Stadt Marienberg die genannten Truppenteile aufzunehmen hatte und derselben ein Kostenaufwand von 425 Gld 20 Gr erwuchs.
Sehr verhängnisvoll sollte das Jahr 1632 für Marienberg werden. Dies erfuhr die Stadt schon, als am 4. Mai die Fürsten von Anhalt und der von Altenburg auf dem Durchmarsche nach Böhmen mit zwei Regimentern einrückten und einige Wochen später der sächsische Oberst Vitzthum von Eckstädt mit einem Reiterregimente die Stadt als Musterungsplatz wählte. in beiden Fällen hatte dieselbe für Verpflegung u. a. 825 Thlr 5 Gr, sowie später noch 1435 Gld 9 Gr 8 Pf zu zahlen.
Nach Donat-Holzhaus.