Am 12. April, es war Karfreitag, kamen etwa 500 solcher schwedischer Brandstifter, nachdem sie Zöblitz geplündert und angezündet, sowie dessen Bewohner in jeder Weise mißhandelt hatten, auch nach Marienberg. Es heißt hierüber: »Dieselbigen kamen vor das Annabergische Thor, wollen dasselbe aufhauen, gaben auch Feuer darauf. Da man sie aber mit Gottes Hilfe durch hinausgeworfene Steine abgetrieben, mußten sie weichen. Sie zündeten aber das Schießhaus an und die Hilligersche Scheune, da denn die Bürgerschaft in sehr großer Gefahr war.« Am ersten Osterfeiertage kehrten die Erbitterten in noch größerer Anzahl zurück, aber ein gleicher Steinhagel lehrte ihre verwundeten Köpfe, daß die Bürger hier fest wie ihre Steine wären. Einige Tage darauf wurde erneuter Sturm dadurch glücklich abgewehrt, daß die Bürger anstatt der Steine – Brot hinauswarfen.
Glücklich sollte das fast täglich in Angst und Schrecken gesetzte Marienberg am 10. August desselben Jahres wegkommen, als der schwedische Oberst Holck mit 250 Reitern und 200 Infanteristen Einlaß in die Stadt verlangte. Zagend öffnete man die Thore, und drohend ziehen die Schweden ein. Es fehlte Brot und Bier so ganz in der armen Stadt, und diese wilden Gäste verlangten doch so viel und drohten, die Stadt aufs äußerste zu quälen. Sie verteilen sich bereits in die Häuser, wo Jungfrauen und Kinder sich verkrochen haben und angst- und hungerbleich der Bürger die Räuber empfängt, die unter gräßlichen Verwünschungen Geld, Brot und Bier und was nicht alles, fordern. Da – ruft plötzlich die Trompete; die Soldaten stürzen auf den Markt vor; dieser füllt sich mit sächsischen Dragonern; ein wütendes Gemetzel beginnt; die Schweden ergeben sich; einzelne entfliehen; der Oberst mit mehreren Offizieren und Frauen wird gefangen genommen, und es werden gegen 6000 Rthlr Wert erbeutet. Der sächsische Oberst Stritzky hatte der Stadt Rettung gebracht.
Nach Donat-Holzhaus.
3. Das Schreckensjahr 1639.
Das schrecklichste Jahr war das Jahr 1639.
Sobald die Schweden Zwickau und Chemnitz genommen hatten, teilte Baner wie das ganze Land, also auch den Obererzgebirgischen Kreis unter seine Obersten und Regimenter. Das Amt Schwarzenberg und Amt Grünhain kamen unter Oberst Leßle. Da war kein Amt, Stadt, Flecken, Dorf oder Schloß im Gebirge, das nicht geplündert oder gebrandschatzt wurde, von Marienberg an im Gebirge hinunter bis an die Flöha und Olbernhau, ja gar nach Böhmen hinein.
Den 25. Februar kamen zwei Unteroffiziere vom Leßlischen Regiment. Einer, Barthel Moth, kam ins Amt Schwarzenberg, der teilte Sicherheitswachen aus. Das waren unberittene Reiter, die die Gemeinden mußten verpflegen und versehen mit Pferden und Roßzeug, Stiefeln, Kleidern, Röcken, Mänteln. Es wurde das ganze Amt gebrandschatzt um 6000 Thaler.
Der Leutnant Peter Kupfer legte sich aufs Schloß in Schlettau und plünderte das Amt Grünhain und was hineingehörte um 5000 Thaler, auch Schlettau, auf welches allein 1250 Thaler kamen, nahm viel an Geschmeide und auch den silbernen Schützenvogel, mitsamt den Schulden 80 Thaler wert. Das Vieh mußten die Schlettauer samt den Scheibenbergern nach Schwarzenberg treiben. Das Volk war arm, konnte nichts erwerben; daher konnten die Richter die Kriegssteuer nicht eintreiben und zur rechten Zeit abstatten.
Der Richter Hans Schwaner zu Walthersdorf war nicht zu finden, als die Boten Kupfers erschienen. Da wurde der Ort zum großen Teile niedergebrannt. Nichtsdestoweniger mußte das Dörflein seinen Teil abstatten, alle Wochen 14 Thaler und Nahrungsmittel ohne Gnade geben.
Das Städtchen Scheibenberg wollte der oben erwähnte Barthel Moth wegbrennen lassen; doch es wurde durch Bitten und Versprechungen der Bürger abgewendet. – Es fehlte wenig, daß das ganze Amt Wolkenstein von dem Obersten Höcking, der in Annaberg auf Vorwache lag, vernichtet worden wäre, weil dessen Vetter unterwegs von einer Rotte loser Burschen erschlagen worden war. Das kurfürstliche Vorwerk und die Schäferei zu Geringswalde, sowie der Försterhof zu Hilmersdorf, die Heinzebank genannt, waren bereits in Asche gelegt, da griff man einen der Burschen auf, einen der harmlosesten, der nur das Pferd des Ermordeten gehalten, prügelte ihn solange, bis er 21 Thaler und alle seine Sachen, die er im Felde versteckt hatte, herausgab, und lieferte ihn an den erzürnten Obersten ab. Dieser ließ ihn am 25. März vor dem Thore vom Henker enthaupten und seinen Kopf aufs Rad legen. Das Haupt eines Buckauers, der sich eines ähnlichen Vergehens schuldig gemacht haben sollte, wurde zur Warnung für andere vor dem Thore auf eine Stange gesteckt. Auch in Wiesa war ein Soldat erschlagen worden; da ließ der Oberst Höcking die Edelfrau, der das Dorf gehörte, in Annaberg einsperren, bis sie den Getöteten teuer bezahlte.