Aus dem gleichen Grunde wurden in Königswalde elf Güter samt dem Gerichte angezündet. Auch wurden im Dorfe Olbernhau an der Flöha Kirche, Pfarre, Schule, Försterhof und viele Bauernhäuser niedergebrannt.
Nachdem Baner im April die vereinigten Kaiserlichen und Kursachsen bei Chemnitz geschlagen, wobei fast das ganze sächsische Heer aufgerieben worden war, gingen die Drangsale im Gebirge aufs neue an. In Annaberg lag ein schwedischer Leutnant, Christian Zastro, ein Pommerischer von Adel, mit einer Sicherheitswache. Derselbe konnte es nicht hindern, daß eine Abteilung Schweden am Palmsonntage einfiel und vor ihrem Abzuge am nächsten Tage 3000 Thaler verpraßte. Als er acht Tage später, am dritten Ostertage, den 16. April, 250 Mann vom Regimente Königsmark, welche durch das Wolkensteiner Thor einfallen wollten, nicht in die Stadt einließ, zündeten sie Veit Wolfens Vorwerk an, schossen dessen Sohn, sowie den eines anderen Bürgers, Kaspar Enderlein, die zum Löschen herbeieilten, nieder und stifteten noch sonst viel Unglück.
Zöblitz war am Gründonnerstage ganz ausgeplündert worden, und am Karfreitage brannten es gar 500 Reiter weg. Da wurde auch von Baners Scharen das Schloß Niederlauterstein bei Zöblitz an der Pockau von drei schwedischen Reitern in Brand gesteckt und von seinen Bewohnern verlassen.
Vor Marienberg erschien ein Trupp nach dem andern und begehrte Einlaß, sodaß die Sicherheitswachen kaum Steine genug hatten, um die Zudringlichen zurückzutreiben. Friedens halber mußte man ihnen Brot und Bier hinausschicken. Lößnitz und Aue wurden wiederholt geplündert. Am 19. April wurden die Leßlischen Offiziere samt den Sicherheitswachen abgefordert. Die Durchzüge der schwedischen Regimenter nach Böhmen und ihre Kämpfe dauerten bis August. Den 23. Mai wurden vier Regimenter unter den Obersten und dem Herzoge von Holstein in Annaberg untergebracht, die es so arg gemacht als auf dem Lande, also daß mancher arme Landmann im Gebirge nicht einen Löffel wiedergefunden, und viele feine Bürger mußten nach dem lieben Brot gehen, weil es sehr teuer war und doch nichts zu erwerben war.
Baner ließ nach dem ausgesogenen Böhmen Vorräte aus Sachsen herbeischaffen. Ein solcher Vorratszug war unter starker Bedeckung am 19. August abends um 5 Uhr von Chemnitz aus in Marienberg eingetroffen. Da erschien plötzlich der kurfürstliche Befehlshaber von Freiberg, Florian Stritzky, mit vier Kompanien Dragonern und einer starken Reiterabteilung aus Dresden, drang durch drei Thore in die Stadt ein und fiel über die vom langen Marsche ermüdeten Schweden her.
Ein Major und acht Soldaten wurden erschossen, der gefürchtete Oberst Höcking, vier Oberstleutnants, sieben Rittmeister, vier Hauptleute, zwei Reiterfähnriche, zwei Fähnriche, viele Unteroffiziere und Mannschaften gefangen genommen und samt ihrem Vorrate, ihren Weibern und Sachen nach Freiberg abgeführt. Auch der Leutnant Zastro mit seinem eigenen Schatze und 20 000 Thalern Kriegskosten, die er für seinen Obersten Leßli eingetrieben hatte, befand sich unter den Gefangenen. Viele Bürger von Annaberg, welche sich dem Obersten Höcking angeschlossen hatten, um in dem schwedischen Lager ihre Waren zu verhandeln, kamen bei dieser Gelegenheit ebenfalls um das Ihrige. Es wurde ihnen alles als schwedische Beute mit abgenommen.
Seit Gustav Adolfs Tode völlig im Kriege verwildert, brachen die Schweden 1639 über das Erzgebirge in Böhmen ein und warfen Feuer in jeden Ort, sodaß das Egerland vom Gebirge aus einem riesigen Flammenmeere glich. Vor den Unholden waren die Bewohner des Gebirges wieder in die Wälder geflüchtet. Auf dem Bärensteine war ein Wächter bei einer hohen Stange. Nahte von irgend einer Seite ein Feind, so warf er seine Stange um. Das war das verabredete Zeichen, auf das sich alle ins Dickicht warfen. 1640 wurden die Schweden wieder nach Sachsen getrieben. Sie deckten den Rückzug für ihre Geschütze und ihre Beute in den Pässen auf dem Gebirgskamme. Auf diesem Rückzuge wohnte Baner in Annaberg. Schon im nächsten Jahre erschien er wieder, verfolgt von den Sachsen. Wie durch ein Wunder entkam er auf Eilmärschen. Sein verschanztes Lager hielt die Kaiserlichen lange auf. Endlich steckte er es in Brand und vernichtete seine 500 Vorratswagen. Nachzügler zündeten Hassenstein, Preßnitz, den Weiperter Grund an. 1643 gingen 600 Reiter Torstensons durch die Pässe nach Kaden. 1644 waren Pässe und Schanzen in den Händen der Kaiserlichen. Im Herbste stand Torstenson davor und erzwang im Januar 1645 den Durchbruch nach Böhmen.
Christian Lehmann erzählt, daß die Befreiung Freibergs von den Schweden zu Neujahr 1643 in Elterlein einem Mädchen, das sich vor den schwedischen Einfällen sehr geängstigt hat, im Traume sei geoffenbaret worden. Sie hat im Traume gesehen, daß zwar Torstenson die Stadt an einer Kette hatte; aber es kam ein vornehmer Reiter mit einem bloßen Schwerte geritten, der hieb die Kette mit einem Streiche entzwei, daß der Torstenson mit der halben Kette zurückfiel. Darüber sind seine Soldaten erschrocken und ausgerissen.
Nach sieben Wochen ging der Traum in Erfüllung, und der Feind mußte abziehen.
Die Greuel nahmen im Gebirge erst ein Ende, als 1645 der Kurfürst mit den Schweden den Waffenstillstand zu Kötzschenbroda schloß.