Klosterthal. Montafun.

Bei Bludenz spaltet sich das Illthal. Sein nach Osten hinziehender Ast heißt nun das Klosterthal. In ihm steigt die Arlbergbahn empor, höher und höher, auf zahllosen Viadukten und durch viele Tunnels an der nördlichen Thalwand. In der Station Dalaas hat sie schon eine Höhe von 931 m erklettert; weit blickt der Reisende hier, rückwärts schauend, bis zum Säntis. Und immer höher klettert der erstaunliche Bau am schwindelnden Abgrund, bis zur Station Langen (1217 m). Hier verläßt die Bahn das einsam und rauh gewordene Klosterthal. Sie tritt in den 10240 m langen Arlbergtunnel ein, um jenseits der Wasserscheide, im Stromgebiet des Inn, wieder zum Vorschein zu kommen. Die alte Arlbergstraße dagegen windet sich aufwärts zu einem letzten kleinen Dorfe und dann zu der rauhen, öden Paßhöhe des Arlberges.

Hierher aber sind wir schon von Osten, aus dem Oberinnthal, angestiegen.

Abb. 125. Sandwirtshaus (Passeier).
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)

Das Hauptthal der Ill, von Bludenz aufwärts Montafun (Montavon) genannt, strebt in südöstlicher Richtung empor zu den Gletschern und Hochgipfeln der Silvrettagruppe. 40 km lang, mit mildem Klima, prächtigen Matten und Wäldern, ist es die Heimat einer freien Bauernschaft, die keine Zwingburgen duldete. Nur der unterste Teil des Thales gehört noch dem Kalkgebirge an; höher oben beginnen Schiefergesteine. Kurze, steile Seitenthäler ziehen in südlicher Richtung zu den Zackengipfeln der Rhätikongruppe hinauf; durch einige führen Jochsteige nach dem schweizerischen Prättigau. Hauptort des Montafun ist Schruns, ein stattliches, in den Sommermonaten von Städtern viel besuchtes Dorf, berühmt durch seine mächtigen Kirschbäume (Abb. [113] u. [114]). Hier öffnet sich gegen Osten das gewundene, einst erzreiche Silberthal, mit Jochpfaden zum Arlberge, überragt von der schneidigen Patteriolspitze. Von Schruns aufwärts liegen im Thal noch die Orte Gallenkirch, Gaschurn und als letztes Dorf Patenen oder Parthennen. Hier beginnt die Almenregion. Nach Osten führt ein Steig über das viel begangene Zeinisjoch nach dem obersten Paznaun; das Illthal selber zieht in südlicher Richtung noch ansteigend fort bis zum großen Vermuntgletscher, aus dessen Eisschlünden die Ill hervorströmt. Von hier führen vergletscherte Jochpfade zum Prättigau und in das felsumschattete Engadin.

Abb. 126. Mieders.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)

IX.
Vintschgau.

Reschen-Scheideck.