Abb. 200. Bedole (Val di Genova).
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)
Sarcathal. Campiglio. Val di Genova. Brentagruppe.
Im Sarcathale steigt die Straße aufwärts nach dem schön gelegenen Stenico mit seiner, das ganze Vorderjudicarien überschauenden Bergfeste. Hauptort von Hinterjudicarien ist das drei Stunden thalaufwärts liegende Tione. Hier mündet in das Sarcathal ein Thalspalt, das Arnothal, durch das eine Straße nach Italien führt. Sie wird selten besucht. Der Fremde eilt durch Judicarien, das trotz seiner reizvollen und mannigfachen Landschaftsbilder wegen seiner Armut und Übervölkerung, mit seinen unsauberen verfallenden Häusern und verwahrlosten Menschen keinen anmutigen Eindruck macht. Anziehender ist der nördliche Teil von Hinterjudicarien, das Rendenathal, das, von der Sarca durchströmt, zwischen den großartigen Bergmassiven des Adamello und der Brentagruppe nach Norden ansteigt. Hier ist ein wichtiger Knotenplatz, denn in nordöstlicher Richtung zieht die Straße nach dem seit einigen Jahren hoch modern gewordenen Luftkurort Madonna di Campiglio ([Abb. 198]); nach Westen dagegen steigt das Thal der Sarca als Val di Genova hinan in eine Reihe der großartigsten Hochgebirgslandschaften zwischen dem trotzigen Granitbau der Presanella (3564 m) und den Gletschern des Adamello (3548 m). Der bequeme Reisende fährt von Pinzolo nach Madonna di Campiglio, das, einst ein Kloster, jetzt zum großen Vergnügungsort sich umgestaltet hat. Ein viel begangener Jochsteig führt von Campiglio oder von Pinzolo ([Abb. 199]) aus über die Bocca di Brenta an den Molvener See. Es ist eine lange und mühsame Wanderung, aber sie zeigt die ganze Pracht der dolomitischen Brentagruppe, die in der Cima Tosa (3176 m) gipfelt. Nur ausdauernde Bergwanderer mögen das oberste Gebiet des Sarcathales, das Val Genova, heimsuchen. An dessen Ende ([Abb. 200]) liegt, über den Mandronseen und dem mächtigen Mandrongletscher, 2441 m hoch, noch ein deutsches Wandererheim, die Leipziger Hütte, erbaut zur Erleichterung von Touren im Eismeer des Adamello und von Übergängen über die vergletscherten Hochpässe nach dem benachbarten Italien.
Hier ist unsere Wanderung durch Tirol zu Ende.
Hauptwerke über Tirol.
Weber, Beda: Das Land Tirol. 1837/1838.
Staffler: Tirol und Vorarlberg. 1839/1846.
Thaler: Geschichte Tirols. 1854/1855.
Schneller: Landeskunde von Tirol. 1872.
Hörmann: Tiroler Volkstypen. 1877.