Ignaz Semmelweis (1818–1865), der Entdecker des infektiösen Charakters des Kindbettfiebers, auf dessen Anordnungen hin die Sterblichkeit an dieser Krankheit in der Wiener geburtshilflichen Klinik auf ein Viertel sank, wurde von den Fachgenossen solcher Widerstand entgegengesetzt, daß er sich völlig aufrieb und im Irrenhause endete.

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Als Fulton 1804 dem großen Napoleon den Vorschlag machte, zum Kriege gegen England eine Dampfschiffflotte zu bauen, ließ Napoleon das Projekt durch das Nationalinstitut zu Paris prüfen. Er schrieb unterm 21. Juli des Jahres an den Minister de Champagny: „Sie haben mich viel zu spät darauf aufmerksam gemacht, da dieses Projekt imstande ist, das Aussehen der Welt zu verändern... Eine großartige Wahrheit, eine tatsächliche, handgreifliche Wahrheit steht vor meinen Augen. Sache der betreffenden Herren (der Kommission) wird es sein, dieselbe zu sehen und sich zu bemühen, sie zu erfassen. Sobald Bericht darüber erstattet ist und Ihnen zugegangen sein wird, ist er mir zu übersenden. Sorgen Sie dafür, daß diese Sache in höchstens acht Tagen erledigt ist, denn ich bin ungeduldig“.

Noch 1816 wurde das Gesuch des Marquis de Joffroy, der bereits 1776 einschlägige Versuche veranstaltet hatte, vom Pariser Patentamt und dessen Leiter Colonne mit Rücksicht auf den geringen Wert der Erfindung abgelehnt[311]!

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Philippe Lebon, der Erfinder der Gasbeleuchtung (1797) konnte die Welt nicht davon überzeugen, daß eine Lampe ohne Docht brennen könne. Erst 14 Jahre nach seinem 1804 erfolgten Tode wurde seine Erfindung in Paris eingeführt, während Birmingham schon 1805 mit der Gasbeleuchtung vorangegangen war.

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Als die ersten Proben mit der Eisenbahn gemacht wurden, wiesen die Ingenieure nach, daß die Lokomotiven unmöglich von der Stelle kommen könnten und daß ihre Räder sich immer nur um sich selbst drehen würden. Arago erklärte in der französischen Deputiertenkammer 1838, daß die Transportkosten in Frankreich, die sich z. Z. auf 2803000 Frs. beliefen, nach Ausbau des Bahnnetzes auf 1052000 Frs. vermindern würden, so daß das Land jährlich zwei Drittel der Einnahmen aus den Transportkosten verlieren würde.

Thiers meinte: „Ich gebe ja zu, daß die Eisenbahnen die Beförderung von Reisenden etwas erleichtern werden, wenn der Gebrauch auf einige ganz kurze Linien in der Nähe großer Städte, wie Paris, beschränkt bleibt. Man braucht keine weiten Strecken.“

Das kgl. bayerische Medizinalkollegium erklärte, daß der Bau der Eisenbahnen ein großes Verbrechen gegen die öffentliche Gesundheit wäre, denn eine so schnelle Bewegung würde bei den Reisenden Gehirnerschütterung, bei den Zuschauern aber Schwindelanfälle erzeugen. Das Kollegium empfahl daher dringend, an beiden Seiten der Schienen Scheidewände in der Höhe der Wagen aufzurichten[312].