Zwölfter Abschnitt
Religion und Glaube
Die sogenannten Sieben Todsünden sind, wie Zielinski nachgewiesen hat, aus der heidnischen Astrologie entnommen und haben wahrscheinlich durch Vermittlung der stoischen Philosophie ihre Ausbildung erhalten. Auch Horaz kennt sie[245].
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Der Vers 7 in der 1. Epistel Johannis, Kapitel 5, den die Dogmatiker als Hauptbeweis für die Lehre von der Dreifaltigkeit brauchen, ist nach der Untersuchung des katholischen Theologieprofessors Karl Künstle (Das Comma Joanneum, auf seine Herkunft untersucht. Freiburg 1905) von dem Häretiker Priscillian im 4. Jahrhundert eingeschoben worden!! Von demselben Vers erklärte die Indexkongregation 1897, daß es nicht gestattet sei, an seinem authentischen Charakter zu zweifeln. Künstles Schrift erschien mit bischöflicher Approbation!
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Demeter, die Mutter des Dionysios, heißt „heilige Jungfrau“, Isis, die Mutter des Horus, spielt eine besondere Rolle, Sargon, Gudea, Asernasipal, Asurbanipal usw. behaupten von sich die Jungfrauengeburt von der Göttin Istar, und diese wunderbare Herkunft wird von ihnen beansprucht, wiewohl wir ihre wirkliche Herkunft kennen. Das hängt mit dem Tierkreisbild der Jungfrau zusammen und der Konstellation der Wintersonnenwende. Um Mitternacht am 25. Dezember geht am östlichen Punkte des Himmels das Sternbild der Jungfrau auf. Daher die Festsetzung der Geburt Christi auf diesen Tag und die Legende seiner jungfräulichen Geburt[246].
Heute noch lehrt die römisch-katholische Kirche die Jungfräulichkeit Mariä und die Gottheit Christi in dem Sinne, daß Gott durch den hl. Geist sein Vater wurde. Letzteres wird auch von der protestantischen Kirche noch aufrecht erhalten. Dazu seien zwei Stellen des Neuen Testamentes zitiert: Matthäus Kapitel 1 Vers 25: „Und erkannte sie nicht, bis sie ihren ersten Sohn gebar; und hieß seinen Namen Jesus.“
Matthäus Kapitel 13 Vers 55 und 56 lauten: „Ist er nicht eines Zimmermanns Sohn? Heißt seine Mutter nicht Maria? Und seine Brüder Jakob und Joses und Simon und Judas? Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns?“
Die Evangelien sind eben nur unfehlbar, wenn es gewissen Kreisen und Institutionen paßt.
Zur Gotteskindschaft Christi finden sich zahlreiche Analogien in der Antike. Vom Philosophen Plato war schon zu seinen Lebzeiten die Sage aufgekommen, seine Mutter Periktione habe ihn vom Gott Apollo empfangen, ebenso war Augustus Apollos Sohn, während Alexanders und Scipios Vater Zeus war, der auch den Wundermann Apollonius von Tyana gezeugt haben soll. Origines sagt diesbezüglich: „Der einfache Antrieb, so etwas von Platon zu erdichten, war, daß man glaubte, ein Mann, der mit größerer Weisheit und Kraft als die Durchschnittsmenschen ausgestattet war, müsse auch aus höherem und göttlichem Samen seinen leiblichen Ursprung gehabt haben.“ Die Nutzanwendung daraus auf Christus zu ziehen, überließ Origines seinen Lesern[247].