Seit 1870 ist nicht nur Christus von Maria, sondern auch diese von ihrer Mutter Anna „unbefleckt“ empfangen worden. Wenigstens hat das Vatikanische Konzil diese Feststellung gemacht.

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Auch von Buddha wird erzählt, daß er von der jungfräulichen Königin Maja geboren wurde, in deren Leib das himmlische Geistwesen Buddha unbefleckt und unbefleckend einging. Auch bei seiner Geburt erstrahlte überirdisches Licht und erschienen Scharen himmlischer Geister, die einen Lobgesang anstimmten zum Preise des Kindes, das der Welt Heil, aller Kreatur Freude und Frieden bringen, die Feindschaft zwischen Gottheit und Menschheit versöhnen werde. Auch hier erkennt ein frommer Seher im Kinde den künftigen Erlöser[248].

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Die Auferstehung Christi nach drei Tagen erinnert an das große Auferstehungsfest der Babylonier in Nisan, also etwa gleichzeitig mit dem Tode und der Auferstehung Jesu. In feierlichen Prozessionen und Riten wurde in Babel in der Frühlingszeit die Auferstehung des Marduk gefeiert. Die drei Tage, die Auferstehung Jesu gleichzeitig mit Sonnenaufgang, die Feier des „Herrentages“, die Sonnenfinsternis bei Jesu Tode, die Engelerscheinungen zeigen in die Richtung jener babylonischen Gedanken. Auch der Satan, die bösen Dämonen, besonders die sieben bösen Geister, sowie Jesu Selbstbezeichnung „der Menschensohn“ = „der Mensch“ weisen nach Babylonien[249].

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Auch der Hexenwahn ist, wie Friedrich Delitzsch in „Mehr Licht“ (Leipzig 1907) feststellt, chaldäischen Ursprungs, und zwar genau in der Form der römisch-katholischen Kirche. Auch die Verbrennung durch Feuer – durch solche in Effigie ersetzt – geht auf dieses uralte Volk zurück.

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In Tarsus war schon zur Zeit des Pompejus ein Sitz der von Persien ausgegangenen Mithrareligion. In die Mithrareligion wurde man durch Weihen aufgenommen, die als ein mystisches Sterben und Wiedergeborenwerden sich darstellen, wodurch die Schuld des alten Lebens getilgt und ein neues, unsterbliches Leben durch den Geist erzeugt werde. Die Geweihten nannten sich deshalb „wiedergeboren für ewig“. Die Verwandtschaft dieser Lehre mit der des Apostels Paulus – der bekanntlich in Tarsus lebte – von der christlichen Taufe (Römer 6) ist schlagend. Auch das hl. Mahl, bei welchem das geweihte Brot und der Kelch mit Wasser oder Wein als mystische Symbole zur Mitteilung des göttlichen Lebens an die Mithragläubigen diente, gehörte zu den Sakramenten dieser Religion. Auch hier ist die Parallele mit Pauli Lehre vom hl. Abendmahl schlagend[250].