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Der Sühnetod Christi hat seine Vorläufer in dem des Adonis, Attis und Osiris. Bei der Adonisfeier im Frühling wurde zuerst sein („des Herren“) Tod und die Bestattung seiner durch ein Bild dargestellten Leiche begangen. Am folgenden – bei der Osirisfeier am dritten, bei der Attisfeier am vierten – Tage erscholl die Kunde, daß der Gott lebe, und man ließ ihn, d. h. sein Bild, in die Luft aufsteigen. Letztere Zeremonie hat sich in der Osterfeier der griechischen Kirche bis heute erhalten. Paulus, der in Antiochia länger wirkte, hatte dort diesen Kult zweifellos kennen gelernt. Die Rettung des Gottes (Adonis, Attis, Osiris) aus dem Tode, galt als Rettung seiner Kultgenossen. In den Mysterien des Attis, der Isis und des Mithras wurde durch symbolisches Sterben und in den Hades hinabsteigen angedeutet, daß die Gläubigen zur Teilnahme am Leben des Gottes gelangen. In einer Mithrasliturgie betet der Geweihte: „Herr, wiedergeboren verscheide ich, indem ich erhöhet werde, und da ich erhöhet bin, sterbe ich; durch die Geburt, die das Leben zeugt, geboren, werde ich in den Tod erlöst und gehe den Weg, wie du gestiftet hast, wie du zum Gesetz gemacht und geschaffen hast das Sakrament“. Die Ähnlichkeit dieser Vorstellung mit der mystischen des Paulus vom Tod und der Auferstehung Christi und vom Mitsterben und Mitauferstehen der auf Christum Getauften ist schlagend[251].
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Bereits im Altertum gab es festbesoldete geistliche Orgelspieler, wie aus einer in Rhodus gefundenen, aus dem 3. nachchristlichen Jahrhundert stammenden Inschrift hervorgeht. Der Orgelspieler hat zu Ehren des Dyonisios Bacchios zu spielen und erhielt dafür jährlich 360 Denare. Die besonderen Festlichkeiten „zur Erweckung des Gottes“, die nach dem Osirisvorbilde alle zwei Jahre gefeiert wurden, hatten größte Ähnlichkeit mit der Karsamstagzeremonie vieler katholischer Kirchen. Bei diesen Festlichkeiten dürfte der Orgelspieler seine Kunst geübt haben[252].
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Die römische Kirche nennt sich heute noch die „Katholische“, also allgemeine, wiewohl nur etwa ein Drittel der Erdbewohner Christen sind, von diesen aber etwa 120 Millionen „orthodox“ und etwa 170 Millionen protestantisch, während der römisch-katholischen Kirche nur etwa 260 Millionen, also nicht einmal die Hälfte der Christenheit angehören und nur ein Sechstel der ganzen Menschheit[253]!
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Die Kirche lehrt heute noch u. a. folgendes:
„Maria hatte schon den freien Gebrauch des Verstandes, bevor sie das Licht der Welt erblickte, im Schoß ihrer Mutter Anna. Wir dürfen annehmen, daß sie schon ungeboren weit mehr von Gott wußte und vom Jenseits, von des Menschen Ziel und Ende, von den Mitteln, das Ziel zu erreichen, als die größten Geister nach jahrelangem Denken, Studieren und Beten wissen[254].“
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