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Thomas Youngs Arbeiten, durch die er zu einem Reformator der Theorie der Optik wurde, hatten zu seinen Lebzeiten gar keinen Erfolg. Henry Brougham (1778–1868) schrieb in der angesehenen Edinburgh Review vom Jahre 1803 sehr ungünstig über seine Arbeiten. Er vermochte in denselben absolut nichts, was den Namen einer Entdeckung, ja nur eines wissenschaftlichen Experiments verdiente, zu finden und konnte seinen Bericht überhaupt nicht schließen, »ohne die Aufmerksamkeit der Royal Society darauf zu lenken, daß sie in den letzten Zeiten so viele flüchtige und inhaltsleere Aufsätze in ihre Schriften aufgenommen habe«. Als William Hyde Wollaston sich für Youngs Interferenztheorie günstig ausgesprochen hatte, äußerte Brougham auch darüber seine Unzufriedenheit, »daß ein so genauer und scharfsinniger Experimentator die seltsame Undulationstheorie angenommen hat«. Die englischen Gelehrten gingen über Youngs Arbeiten ohne weitere Diskussion zur Tagesordnung über, die Deutschen übersetzen sie, ohne Gebrauch davon zu machen und die Franzosen lernten sie gar nicht oder doch nur ganz unvollkommen kennen. Schließlich wurde Young selbst wankend und bereit sein System aufzugeben![34]

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Als Fresnel durch seine Arbeiten die feste Begründung der Undulationstheorie des Lichtes gab, die Theorie der Interferenz und Beugung des Lichtes durch seine meisterhaften Messungen bestätigte, die Gesetze der Reflexion und Brechung des polarisierten Lichtes entwickelte, desgleichen die der Doppelbrechung des Lichtes in Kristallen u. a. m. konnte er doch den vollen Sieg seiner Ansichten nicht mehr erleben. Der gefeierte Physiker Biot vertrat nach wie vor die Emanationstheorie. Ganz ungeheuerlich aber erschien den Physikern die Annahme der Transversalschwingungen des Äthers. Weder Arago noch Laplace noch Poisson konnten sich zu ihr bekehren. Noch bis 1830 blieb die Allgemeinheit der Physiker dabei, daß Emissionstheorie und Undulationstheorie die optischen Erscheinungen ungefähr gleich gut erklären. Brewster lehnte die letztere sogar noch 1833 erbittert ab.[35]

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Als Fraunhofer im Sonnenspektrum die bekannten Linien fand und feststellte, daß sie immer unter denselben Umständen vorhanden waren und unter allen Umständen in denselben Farbentönen liegen blieben, was er im I. Band der Denkschriften für die Münchener Akademie der Wissenschaften 1814/15 veröffentlichte, legten die Physiker den Linien wenig theoretische Wichtigkeit bei. Biot erwähnte sie selbst in der 3. Auflage seines Lehrbuches noch nicht und die ersten Bände von Gehlers physikalischem Lexikon machten auch nur wenig Aufhebens von ihnen.[36]

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Die Theorien der Elektrodynamik und des Elektromagnetismus, die Ampère aufstellte, wurden anfänglich von den Physikern abgelehnt. Biot war des Unterganges dieser Lehren ganz sicher und erhoffte von den Physikern, daß sie ihm seinerzeit die Ehre zollen würden, daß er von Anfang an diese Hypothesen abgelehnt habe.[37]

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Als Sadi Carnot 1824, 28jährig, sein Werk »Réflexions sur la puissance motrice du feu et les machines propres à développer cette puissance« veröffentlicht hatte, durch das er der Vater der neueren Wärmetheorie wurde und in dem er zum ersten Male klar und deutlich die Erschaffung mechanischer nicht bloß, sondern auch physischer Kräfte leugnete und das perpetuum mobile mechanicum so gut wie das perpetuum mobile physicum, wenigstens soweit es thermodynamische Maschinen betraf, für unmöglich erklärte, erfuhr sein Werk völlige Nichtbeachtung. Weder Berzelius noch Gehlers Wörterbuch der Physik erwähnen Carnot. Erst nach der Entdeckung des mechanischen Äquivalents der Wärme fanden seine Arbeiten die verdiente Aufmerksamkeit.[38]